Leserbriefe : Soziale Gerechtigkeit ist eine Frage des Blickwinkels

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„Gebührenfreie Kitas in Berlin – Falsche Versprechungen“ vom 25. Oktober 2006

Die Absicht von Wowereit, die arbeitende Bevölkerung endlich bei den Kitagebühren zu entlasten, wird als Anbiederung an den Mittelstand abgetan. Gebühren von 400 Euro und mehr, die berufstätige Eltern monatlich für die Betreuung bezahlen müssen, werden gar als „Kleinkram“ bezeichnet. Das ist eine Verhöhnung des Mittelstands, den ich ausgerechnet beim Tagesspiegel nicht erwartet hätte. Sicher muss mehr für die Förderung von Migrantenkindern getan werden. Aber nicht wieder einseitig zu Lasten des Mittelstands, der ohnehin den Großteil des Steueraufkommens finanziert – übrigens auch kostenfreie Kitaplätze für Kinder Arbeitsloser. Wenn berufstätige Eltern wegen der hohen Gebühren ihre Kinder teilweise nicht mehr zur Kita schicken können, während Bezieher von Sozialleistungen diesen Service kostenfrei erhalten, hat das mit sozialer Gerechtigkeit nichts mehr zu tun. Das ist Sozialismus à la DDR, und darum geht es der PDS.

Momentan leben nur noch 39 Prozent der Berliner Erwerbsbevölkerung vom Lohn eigener Arbeit. Bei dieser Politik sozialer Wohltaten zu Lasten des Mittelstands wird sich der Anteil weiter verringern. Die Finanzierung von Sozialleistungen wird dann noch schwerer.

Rüdiger Thaler, Berlin-Lankwitz

Eltern und Erzieher wussten schon immer, was Politiker aller Couleur – dank Pisa – erst kurz von den Wahlen entdeckten: Kitas sind unverzichtbare Bildungseinrichtungen.

Die künftige Koalition will Bildungspolitik zu ihrem Schwerpunkt machen und sich das im Kitabereich zunächst 37 Millionen kosten lassen. Das wäre gut so, wenn es sich um echte Investitionen in frühkindliche Bildung handelte: zum Beispiel in eine Verbesserung der Personalausstattung, die es den Kitas erlauben würde, den erhöhten Anforderungen an die Qualität ihrer Bildungsarbeit gerecht zu werden.

Heide Rienits, Berlin-Schöneberg

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