Leserbriefe : Sozialistisch anmutende Unverfrorenheit

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Betrifft: „Wenn die Alten Opfer bringen“ im Tagesspiegel vom 8. Juni 2003

Ich lehne es strikt ab, in Bezug auf die Altersrente „Opfer“ zu bringen, weil so etwas ohne jegliche Freiwilligkeit ja gar nicht möglich ist. Oder soll ich vielleicht zum Staat hinlaufen und ihn anbetteln, mir die Rente zu kürzen?

Im Tagesspiegel war kürzlich eine Statistik abgedruckt, in der die Obergrenze der Altersrenten bei zirka 2200 Euro im Monat lag, ein Betrag, von dem noch die Krankenversicherung abzuziehen wäre und der nach der Vorstellung der Kommentatorin voll versteuert werden soll. Derartige Einkünfte mögen zwar auskömmlich sein, aber dass der Rentner sich damit im obersten Fünftel der Einkommenshierarchie in Deutschland befindet, ist denn doch eine ziemlich putzige Vorstellung. Der Vorschlag, dass die Rentner die Summen, die sie ihren Kindern zukommen lassen, in die leere Rentenkasse umleiten sollen, dürfte in ihrer ziemlich sozialistisch anmutenden Unverfrorenheit letztendlich zu einer DDR de Luxe führen, in der die einen enteignet und die anderen privilegiert werden. Im übrigen scheint durch die Erörterungen der Autorin die Meinung hindurch, dass der Rentner gar kein Geld benötigt, dass er es seinen Kindern überlässt, dass eine steuerfreie Rente ihm nichts bringt und so weiter und so fort. Das mag zwar durchaus für Beamte oder für Politiker zutreffen, kaum aber für Rentner.

Im Übrigen fragt man sich, wer wohl die von der Autorin skizzierte verheerende demographische Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland zu verantworten hat. Wer müsste mehr Kinder kriegen? Etwa die Rentner? Ein bisschen mehr Eigenverantwortung der Damen und Herren Jungen täte wohl auch in dieser Hinsicht Not.

Christian Schädlich, BerlinLichterfelde

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