Leserbriefe : Späterer Schulbeginn verkürzt den Tag

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„Später Schule? Ganz schön ausgeschlafen“ vom 18. Januar 2006 und „Kurz vor acht ... oder lieber um neun?“

vom 24. Januar 2006

Wir haben Ihren Artikel gelesen und in unserer 9. Klasse darüber diskutiert. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es keine perfekte Lösung gibt – manche Schüler sind Frühaufsteher, manche Langschläfer. Wahrscheinlich ist die beste Möglichkeit, alle zufrieden zu stellen, diejenige, alles so zu lassen wie es ist. Wenn wir um acht Uhr in die Schule gehen, haben wir am Nachmittag wenigstens noch Zeit, etwas zu unternehmen, und das ist uns allen sicher ganz recht, denn das Leben besteht ja schließlich nicht nur aus Schule. Wie viele Schüler würden, wenn sie die Möglichkeit hätten, wirklich mit ihren Eltern frühstücken? Wir sind der Meinung, dass die meisten Schüler diese Chance nicht nutzen würden. Sie würden einfach länger schlafen und hätten noch weniger vom Tag. Also ist das kein guter Grund, die Schule später anfangen zu lassen. Was sicherlich etwas bringen würde, wären bessere BVG-Fahrzeiten. Wir könnten länger schlafen und hätten trotzdem noch genug vom Tag.

Christine Schneider und Tamara Hartenthaler, Schülerinnen der Bettina-von Arnim-Oberschule, Berlin-Reinickendorf

In Ihrem Artikel erwähnen Sie, dass morgens die Schule später anfangen soll. Dort schreiben Sie auch, dass die innere Uhr der Schulkinder nicht der Schulzeit entspricht. Ich bin 15 Jahre alt und gehe auf eine Gesamtschule. Natürlich wäre es ein Nachteil, dass die Schule dann länger dauert. Wenn man die Hausaufgaben regelmäßig und ordentlich macht und für Arbeiten lernt, könnte es sein, dass man erst abends fertig wird und wenig Freizeit hätte. Aber trotzdem finde ich es sinnvoll, die Schule etwas später anfangen zu lassen, denn die Schüler brauchen den Schlaf.

Patricia Buschmann,

Glienicke/Nordbahn

In Anbetracht der heutigen Lage auf dem Arbeitsmarkt erscheint mir die Diskussion um eine Späterlegung des Schulbeginns, damit dieser der „inneren Uhr“ der Schüler angepasst wird, sehr fragwürdig. Bei den unteren Klassenstufen mag es noch sein, dass eine Späterlegung sinnvoll sein kann, aber doch spätestens ab Klasse 7 sollten sich auch Schüler daran gewöhnen, dass der spätere Arbeitsalltag auf die „innere Uhr“ eines Menschen nur in den seltensten Fällen Rücksicht nimmt.

Spätestens in der Berufsausbildung wird die Schüler niemand mehr fragen, ob sie sich denn besser konzentrieren könnten, wenn sie denn erst um 9 Uhr anfangen müssten. Ein Schüler, der zum Beispiel später den Beruf des Lokführers ergreifen möchte, wird bereits in der Ausbildung mit allen Extremen des Schichtdienstes konfrontiert. Übrigens, den Tagesspiegel konnte ich um 3.55 Uhr in der S-Bahn nur lesen, weil es dankenswerterweise viele Zusteller gibt, die auch nicht nach der „inneren Uhr“ schlafen, sondern um diese Zeit und früher schon unterwegs sind, um den Abonnenten ihre Zeitung zu bringen.

Diego Wegner, Berlin-Lichtenberg

„Partei gegen den Unterrichtsausfall“

vom 17. Januar 2006

Was nützt die Elternpartei? Natürlich müssen wir Eltern Partei ergreifen für eine qualifizierte Ausbildung unserer Kinder! Und aus eigener Erfahrung kann ich die Enttäuschung und Wut des Landeselternrates und des Landesschulbereites über die mangelhafte Bildungspolitik des Berliner Senats nachvollziehen. Immer wieder wurden und werden Missstände aufgezeigt, immer wieder ändert sich fast nichts. Aber wozu noch eine Elternpartei gründen? Wir haben doch schon fünf davon im Parlament. Die meisten Parlamentarier und Senatoren sind Eltern, sie kennen die Probleme unserer Schulen doch in- und auswendig. Was würde sich durch eine neue Partei prinzipiell ändern? Ich meine: nichts!

In den Händen unserer Kinder liegt unsere Zukunft. Wir haben kaum andere Ressourcen. Das wissen wir Eltern alle. Entweder gründen wir noch eine Partei, beklagen weiterhin die Missstände in unseren Schule und hoffen auf Verbesserungen, dann bleibt alles beim Alten. Oder wir setzen neue politische Verhältnisse durch (Wir sind die Eltern!), in denen die Betreuung, Förderung, Erziehung und Ausbildung unserer Kinder oberste Priorität genießt. Herrn Schindler empfehle ich, die Direktwahl der Senatoren durchzusetzen und als Bildungssenator zu kandidieren. Das entspräche seinen Ambitionen und gäbe dem Landeselternausschuss Gelegenheit, sich seinen Aufgaben zu widmen, zum Beispiel Elterninteressen nachhaltig, und nicht kurzsichtig zu mobilisieren.

Peter Sperling, Vorsitzender a. D.

des Landeselternausschusses,

Berlin-Charlottenburg

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