Leserbriefe : Sparmodell Gemeinschaftsschule

„Gemeinschaftsschule: Gegner reden nicht mehr mit“ vom 4. August

Dass nun ein Teil der Oppositionsparteien und Verbände den Beirat zur Einführung der Gemeinschaftsschule verlassen hat, wirft noch einmal die Frage auf, was mit diesem Schultyp eigentlich angestrebt wird.

Nachzuvollziehen wäre der Einsatz von 22 Millionen Euro aus dem klammen Bildungsetat, wenn es in Berlin bislang nur ein gegliedertes Schulsystem der herkömmlichen Art geben würde. Tatsächlich aber gibt es seit über 30 Jahren Gesamtschulen, die zunächst über Jahre hinweg ihre Existenzberechtigung gegen vielerlei Widerspruch behaupten mussten und in Konkurrenz zum gegliederten Schulsystem große Akzeptanzprobleme zu überwinden hatten. Durch das System des leistungsdifferenzierten Unterrichts (LDU) konnte dem Vorbehalt mangelnder Förderung leistungsstarker Schüler entgegengewirkt werden und den Gesamtschulen ist es gelungen, eine Vielzahl von Schülern zum Abitur zu führen, deren Ausgangsprognose am Ende der Grundschulzeit anders ausgesehen hatte.

Nun heißt es, der entscheidende Unterschied zwischen Gesamt- und Gemeinschaftsschule sei der Verzicht auf den leistungsdifferenzierten Unterricht. Diese Schulen werden also das Wunder vollbringen, in ein und derselben Lerngruppe den Besuch des Leistungskurses Mathematik in der Oberstufe für die einen, den Mittleren Schulabschluss für die anderen und den Hauptschulabschluss für die Schwächsten vorzubereiten. Viel Erfolg!

Davon abgesehen: In ganzen sechs von 15 Fächern an der Gesamtschule gibt es in der 9./10. Jahrgangsstufe überhaupt leistungsdifferenzierten Unterricht. Warum hat man nicht einfach ein paar der Gesamtschulen ermuntert, im Rahmen eines Schulversuchs auf die Leistungsdifferenzierung zu verzichten und in Kooperation mit Grundschulen Klassenverbände geschlossen zu übernehmen? Dazu wären einzelne Schulen vermutlich bereit gewesen und man hätte Millionen sparen können. Dass der Verzicht auf Leistungsdifferenzierung mittelfristig ohnehin ein Sparmodell ist, sollte auch allen Befürwortern der Gemeinschaftsschule klar sein.

Klaus Brunswicker,

Leiter der Sophie-Scholl-Oberschule,

Berlin-Schöneberg

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