Leserbriefe : Sportschützen sind ungefährlich

„Müssen Schützen ihre Waffen künftig

einzeln sichern?“ von Albert Funk

vom 12. April

Der Artikel befasst sich mit einer neuerlichen Verschärfung des Waffenrechtes. Wenn davon ausgegangen wird, dass sich in den Händen von Sportschützen etwa zehn Millionen Sportgeräte befinden und dass für die elektronische Sicherung pro Gerät so um die 200 Euro aufgewendet werden müssen, kommen hier auf 1,5 Millionen Sportler Kosten in Höhe von zwei Milliarden Euro zu. Diesen Betrag in Bildung und öffentliche Sicherheit stecken? Unvorstellbare Dimensionen würden sich auftun!

Abgesehen davon, dass bei Tests diese Systeme bislang eher versagten, sind sie kein Mittel, der Schlamperei, Faulheit oder Sorglosigkeit wirkungsvoll zu begegnen, auch nicht dagegen, dass ein bislang völlig unauffällig gebliebener Sportschütze doch einmal durchdreht. Doch zum Glück ist das selten, sehr selten. In den letzten fünfzig Jahren ist, statistisch gesehen, ein Todesopfer pro Jahr zu beklagen gewesen.

Von Sportschützen geht keine Gefahr aus, zu gründlich werden charakterliche Eignung, Unbescholtenheit und nicht zuletzt Sachkunde jedem abverlangt. Es ist daher grundsätzlich egal, über wie viele Waffen ein Sportschütze, verfügt, auf seine Zuverlässigkeit hat das keinen Einfluss. Falsch ist auch der Glaube, großkalibrige Waffen seien besonders gefährlich, richtig ist: sie sind genauso gefährlich. Dass ihre Geschosse größere Durchschlagskraft haben und auch weiter fliegen, ist für den Sportschützen ohne Belang, ihm geht es um Genauigkeit, das allein ist wichtig. Es waren übrigens Sportschützen, die sich schon vor Jahrzehnten um die Sachkunde und sichere Handhabung ihrer Sportgeräte bemüht haben.

Winnenden und Erfurt haben zwei Dinge offengelegt. Einmal waren Nachlässigkeit und Schlamperei im Spiel: Tim K. gelangte an eine Waffe, die nicht der Vorschrift entsprechend verschlossen war und der Schütze in Erfurt verwendete eine Waffe, die ihm die Behörde gar nicht hätte genehmigen dürfen. An den Waffengesetzen hat es also nicht gelegen. Die Grünen-Politikerin Renate Künast sprach die Schule an, die „was hätte tun“ müssen. Richtig, sehr richtig. In der Zeit der rot-grünen Koalition zum Beispiel (Erfurt war 2002) hätte man das Ruder herumreißen können, man tat es nicht, man tut es auch heute nicht. Es ist schneller, billiger, auf den Sack Sportschützen einzudreschen, weil man den teureren Kerl Bildung, den eigentlich Schuldigen im Sack, nicht treffen will, weil man es nicht bezahlen kann. Wenn sich dann die Staubwolke verzogen hat und die neuen Verschärfungen Gesetz sind, kann man sich zurücklehnen, zufrieden um sich blicken und sich die Hände schütteln: „Gute Arbeit.“ Bis zum nächsten Kugelhagel, hoffentlich erst nach der Wahl.

Volkmar D. Körner, Ludwigsfelde

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