Leserbriefe : Staus bringen uns aus der Fassung

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„Verkehr in der Innenstadt fast völlig lahm gelegt“ vom 21. August 2004

Wie lange muss sich unsere Stadt diese fortgesetzte öffentliche Geiselnahme noch gefallen lassen? Da wurde ab Freitagmittag wieder einmal die halbe Stadt lahm gelegt, mit Stau und Abgasen ohne Ende. Den Demonstranten hätte eine große Auswahl anderer attraktiver, verkehrsinfarktfreier Plätze zur Verfügung gestanden.

Bei aller Wertschätzung der manchmal hehren Ziele, die Anzahl der Demos und der damit verbundenen Beeinträchtigungen übersteigt jedes vernünftige Maß und stellt einen Missbrauch der Freiheit zur Meinungsäußerung dar. Sie hört dort auf, wo die Funktion eines so großen Gemeinwesens wie Berlin derart nachhaltig gestört wird.

Am Sonntag machten die Rollschuhfahrer den Großen Stern dicht. Warum können die nicht auf der Heerstraße oder auf der Havelchaussee laufen? In Berlin scheint der Grundsatz zu gelten, dass stets alle etwas von den Demos haben müssen, vor allem im negativen Sinne.

Hans-Joachim Junge, Berlin-Lankwitz

„Kinder demonstrieren – Autofahrer sitzen fest“ vom 21. August 2004

Staufetischisten finden in dieser Stadt immer einen Anlass, über den sie sich aufregen können. Was soll also die Fixierung auf den Fetisch Auto im Zusammenhang mit der Aktion „Lichterstadt Berlin“? Anstatt alarmistisch den Verkehrsbericht der Polizei abzudrucken, wären Sie besser tatsächlich zum Großen Stern gekommen.

Wie unsere Schule, die Leonardo-daVinci-Oberschule in Neukölln, an diesem Abend zu einem Team von Schülern, Eltern und Lehrern zusammengewachsen ist, wie allen Windwidrigkeiten zum Trotz nach knapp vier Stunden alle Kerzen zum Leuchten gebracht waren, wie alle Beteiligten überwältigt waren von der Atmosphäre und man sich kaum trennen konnte, das hat uns mit Freude und Stolz erfüllt. Schon lange waren wir nicht mehr so im Reinen mit unserem Beruf. Am nächsten Morgen sorgte der Tagesspiegel dafür, dass wir wieder den Boden der Realität betreten. Wir stehen im Stau, das bringt uns aus der Fassung.

Doris Mischon-Vosselmann,

Agnes Schipper, Berlin-Neukölln

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