Leserbriefe : Sterbenden hilft Liebe, nicht die Todesspritze

-

„Wenn jede Hilfe zu spät kommt“ und „Der vorletzte Wille“ vom 13. Oktober 2005

Wenn laut einer ForsaUmfrage „fast drei Viertel der Deutschen aktive Sterbehilfe befürworten“, lohnt es sich vielleicht, einmal genauer hinzuschauen.

Wenn Sterben bedeutet, in einem Krankenhaus zu liegen, an Apparate angeschlossen, allein und isoliert, vielleicht mit starken Schmerzen, mit Personal, das weder Zeit hat noch ausreichend qualifiziert ist, einen Sterbenden menschlich, psychisch und vielleicht sogar spirituell zu unterstützen und zu versorgen – wer würde sich das wünschen?

Wenn die Alternative wäre, schmerzfrei und gut versorgt, liebevoll gepflegt und unterstützt zu Hause oder in einem Hospiz sein zu können – wie viel Prozent wären dann noch übrig, die sich am Ende eine todbringende Spritze oder Pille wünschen würden?

Gabriele Groß-Stehle,Berlin-Lichterfelde

Die Lage der Schmerzpatienten in Berlin hat eine weitere Verschlechterung erfahren: Die Krankenkassen haben durchgesetzt, dass Fachärzte für Schmerztherapie nur noch 300 Patienten pro Quartal behandeln dürfen; zusätzlich wurden die Arzthonorare so reduziert, dass die Praxen an den Rand der Pleite getrieben werden. Diese Begrenzung auf 300 Patienten pro Praxis und Quartal macht die Situation für uns Schmerzpatienten nahezu aussichtslos: Nachdem bereits ersten Patienten in Schmerzpraxen die Tür gewiesen werden musste, grassiert nunmehr die Furcht unter den verbleibenden: Wann bin ich an der Reihe ?

Gerd Meissner, Schildow

Der Zwang zur Selektion vor der Praxistür ist nicht nur unethisch, sondern widerspricht allen Regeln der ärztlichen Behandlungspflicht. Von den rund 700000 Menschen, die in Berlin an chronischen Schmerzen leiden, haben nahezu 90000 Patienten besonders problematische Schmerzzustände, die nur in spezialisierten Einrichtungen behandelt werden können! Die Folge dieser Ausgrenzung: Noch mehr Menschen werden mit einer der grausamsten Krankheiten, dem Schmerz, allein gelassen.

Sabine Strehle, Krankenschwester,

Berlin-Wilmersdorf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben