Leserbriefe : Streber werden nicht gemocht

„Merkel und der Krieg / Zur Sache, zur Wahrheit“ von Malte Lehming

vom 16. Dezember

Ich reibe mir die Augen: Sind sie schon wieder da, die Scharfmacher, die nach mehr Militär rufen, denen es gleichgültig ist, ob deutsche Soldaten für rein amerkanische Interessen missbraucht werden? Malte Lehming meint, dass der US-Präsident mit seiner Forderung nach mehr Soldaten für Afghanistan nicht allein gelassen werden darf. Eine Ablehnung wäre ein deutsches Armutszeugnis. Hat denn Herr Lehming nie den sowjetischen Krieg in Afghanistan verfolgt? Demnach wurden 110 000 gut ausgerüstete sowjetische Soldaten, die übrigens auch Aufbau- und Entwicklungshilfe leisteten, von afghanischen Kämpfern gedemütigt und nach neun Jahren besiegt. 15 000 Sowjets und 800 000 Afghanen waren die Opfer bis 1989.

„Fremde Besatzer haben gegen uns keine Chance“, sagen die meisten Afghanen stolz. „Unser Land wird sich erst entwickeln, wenn die fort sind.“ Während Bushs Nachfolger ungeniert über Krieg und Truppenerhöhung sinniert, sichern sich China und Indien Einfluss über freundliche Nachbarschaftspolitik. Daran sollte sich Europa ein Beispiel nehmen. Florieren erst einmal der Handel, werden die gefürchteten Taliban von selbst verschwinden.

Heidemarie Blankenstein,

Berlin-Friedenau

Vielleicht verstehe ich den Hintersinn im Beitrag des Herrn Lehming nicht. Aber diese von meiner Zeitung veröffentlichte Meinung liegt in einer Reihe mit weitereren Meinungen der letzten Zeit, die mir zu national-konservativ sind, so unsäglich schlau und allwissend.

Ich weiß, dass eine große Tageszeitung auch Leser hat, die andere Ansichten als ich haben. Deshalb lese ich mittlerweile eher schmunzelnd – aber dennoch mit leichtem Schaudern – die ach so selbstsicher, so realpolitisch sich gebenden Antworten von Herrn Joffe auf vier Fragen. Oder den Blick des Herrn Gauland. Die Menschen haben sich aber seit Beginn der Schriftkultur ethisch weiterentwickelt. Nicht jedes Zitat aus römischer Zeit ist heute noch wahr.

Für Leser wie mich müssen Sie häufiger andere Meinungen einstreuen, abwägende, kenntnisreiche, barmherzige. Bisher waren dies meist einzelne Beiträge von Hochschullehrern – gern auch emeritiert.

Peter Avianus, Berlin-Zehlendorf

Die Hetzjagd auf Verteidigungsminister Guttenberg erinnert mich an die gemeinsame Abneigung der Klasse gegen den Streber. Also doch lieber die Doofen – haben wir allerdings schon reichlich!

Hannelore Lwowsky-Lüpges,

Berlin-Lichterfelde

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