Leserbriefe : Subventionen brechen den Steuerzahlern das Genick

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„Es erwischt die Kleinen“

vom 10. Mai 2006

In Ihrem Kommentar schreiben Sie unter anderem: „Handwerks- und Handelskammern, klassische Unionsklientel, sahen zudem etablierte Geschäfte durch die Ein-Mann-Unternehmen gefährdet. Ein Trugschluss. Die gewählten Geschäftsfelder waren durchweg zu klein, um einen ordentlichen Betrieb zu tangieren.“ Leider haben Sie hier überhaupt nicht Recht.

Als Inhaber eines mittelständischen Handwerksunternehmens kann ich Ihnen versichern, wie sehr ein Betrieb, der Tariflöhne zahlt, von Billiganbietern wie Ich-AGs gefährdet wird. Ich-AGs sind in erheblichem Maße in unseren Geschäftsfeldern tätig. Deren staatliche Subvention ermöglicht es ihnen, ihre Arbeitskraft für einen Bruchteil unserer Arbeitskosten anzubieten. Meine zehn Malergesellen haben das mit einer insgesamt fünfmonatigen Kurzarbeit zu spüren bekommen.

Wie das funktioniert? Ganz einfach: Jeder meiner Mitarbeiter erhält pro Arbeitsstunde 13,27 Euro Bruttolohn. Zuzüglich aller lohnabhängigen Einzelkosten (gesetzlich und tariflich) in Höhe von gut 46 Prozent des Bruttolohns muss ich also Lohneinzelkosten in Höhe von 19,37 Euro pro Arbeitsstunde kalkulieren. Der Mitarbeiter erhält von 13,27 Euro brutto nach Abzug von Steuern und Abgaben (ca. 36 Prozent) etwa 8,50 Euro netto ausbezahlt. Bei ca. 170 Arbeitsstunden im Monat erhält er somit 1445 Euro Nettogehalt.

Der Ich-AGler, ebenfalls Malergeselle, erhält im ersten Jahr der Gründung seiner Ich-AG eine monatliche Subvention von 600 Euro. Seine Beiträge zur Sozialversicherung liegen ca. zwischen 360 und 560 Euro. Die zahlt er aus der monatlichen Subvention, wobei ihm in Abhängigkeit vom Beitragssatz zur Krankenversicherung sogar noch etwas übrig bleibt.

Auf diese Weise staatlich ausgestattet, bietet er seine Leistungen (als Malergeselle) einer Malerfirma an. Da er weiterhin Gesellenarbeit verrichtet (offiziell ist er natürlich selbstständig), gibt er sich auch mit 1445 Euro netto im Monat zufrieden. Mehr könnte er bei einer Festanstellung auch nicht verdienen und 1445 Euro sind bei weitem mehr als sein Arbeitslosengeld. Um 1445 Euro netto zu verdienen, setzt er ca. 1600 Euro seinem Auftraggeber in Rechnung, bei 170 Arbeitsstunden im Monat also 9,41 Euro je Arbeitsstunde. Seine steuerliche Belastung liegt bei ca. 155 Euro. Diese 9,41 Euro sind genau der Stundensatz, mit dem die Malerfirma kalkulieren muss, die keine fest angestellten Gesellen zum Tariflohn beschäftigt, sondern Ich-AGler, die genau dieselbe Arbeit verrichten. Und das sind ziemlich genau 10 Euro weniger als die 19,37 Euro, die wir je Arbeitsstunde zu zahlen haben oder gut 51 Prozent weniger

Welcher Betrieb den Auftrag bekommt, ist damit klar, oder? Anders ausgedrückt: Die aus Steuermitteln bezahlten Subventionen brechen denjenigen, die noch Steuern und Abgaben zahlen, das Genick.

Christian Stonke, Berlin-Schöneberg

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