Leserbriefe : THEMEN, DIE SONST NOCH BEWEGTEN Wir Ärzte verdienen nicht mehr als ein Beamter

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Betrifft: „Ärzte ohne Grenzen“ im Tagesspiegel vom 4. April 2003

Hiermit muss dem Kollegen de Ridder energisch in einigen Punkten widersprochen werden. Wir Ärzte haben keine Angst vor „evidence based medicine“. Medizinleitlinien begrüßen wir, inklusive lebenslanges Lernen. Das macht unseren Beruf ja so faszinierend.

Aber der Dienst am Patienten wird uns massiv durch eine Verjustifizierung und Bürokratisierung unserer gemeinsamen Arbeit ArztPatient erschwert. Für Zuwendung und Empathie bleibt da immer weniger Zeit. Herrn de Ridder scheint der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) nicht wünschenswert geläufig zu sein. Darin ist besonders auf Druck der Krankenkassen aufgeführt, dass zahlreiche medizinische Diagnostik oder Therapie (zum Beispiel in einigen Fällen Sonographie, Warzenentfernung und so weiter) nicht mehr finanziert werden. Da hat es nichts mit wirtschaftlichem Eigeninteresse zu tun, wenn solche Leistungen außerhalb des EBM berechnet werden. Sollen die Mediziner keine Warzen und ähnliches mehr entfernen beziehungsweise diese Behandlung umsonst tun? Das kann sich wirklich niemand mehr erlauben. Es hat doch eher mit betriebswirtschaftlicher Existenzsicherung des Unternehmens Klinik oder Praxis zu tun und mit Erhaltung von Arbeitsplätzen, wenn wir eine vom Patienten gewollte Leistung, die nicht von der Kasse bezahlt wird, privat liquidieren.

Heute hat die Mehrzahl der Kollegen in der Praxis bei einer 50- bis 60-Stunden-Woche kein höheres Gehalt als ein Lehrer oder Beamter, trägt aber eine Vielzahl von Risiken, die ein Beamter nicht hat.

Michael Malzbender

(Niedergelassener Internist)

Berlin

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