Leserbriefe : Tiefe Gräben

„Das Schisma in ihm“

von Stephan-Andreas Casdorff

vom 29. Januar

Der Kommentar trifft den Kern: Papst Benedikt XVI. hat es nun endgültig geschafft, sich zwischen alle Stühle zu setzen. War nach der Regensburger Rede der Dialog mit den Muslimen gestört, so ist Benedikt mit der Rehabilitierung der Lefebvre-Bischöfe ein doppelter „Coup“ gelungen: das Verhältnis zu den Juden erneut ramponiert und zugleich 99 Prozent der eigenen Anhängerschaft brüskiert, die über die Öffnung der katholischen Kirche mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil spürbar erleichtert waren. Ganz zu schweigen von den Schäden für den ökumenischen Dialog. Über das angeblich handlungsleitende Motiv, nämlich der Einheit zu dienen und Spaltungen zu überwinden, kann man nur verwundert den Kopf schütteln. Benedikt XVI. vertieft die Gräben nur noch mehr und trägt die Zerrissenheit nun mitten in die katholische Kirche hinein. Wer wie die Lefebvre-Anhänger die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils – und insbesondere das Konzilsdokument „Nostra aetate“ über das gewandelte Verhältnis zu den anderen Religionen – in Bausch und Bogen ablehnt, wer überdies auch noch den Holocaust leugnet, mit dem besteht schlicht keine Einheit. Daran ändert auch kein päpstliches Dekret etwas.

Wolfgang Klose, Vorsitzender

des Diözesanrats der Katholiken

im Erzbistum Berlin, Berlin-Mitte

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