Leserbriefe : TIERSCHUTZ Wer prüft die Hundehalter?

Unser Leser Frank Marten meint, dass die Tiere nicht in eine Stadtwohnung gehören Für Carola Ruff vom Tierschutzverein ist die Größe einer Wohnung nicht maßgeblich

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Zu „Kampfhunde müssen draußen bleiben“ vom 17. März und „Tierschützer und Grüne fordern Hundeführerschein“ vom 18. März

Dass vor allem in Berlin viele Menschen nicht ohne einen ständigen Begleiter auf vier Pfoten auskommen wollen, ist eine nicht zu leugnende Tatsache. Aber: auch bei einer solchen Passion müssen die Gesetze beachtet werden; zum einen zum Schutz der Kreatur, zum anderen zur Sicherheit der Bevölkerung. Man kann mit Recht die Frage stellen, ob denn in jedem Fall die Schutzregeln für die Tiere eingehalten werden. Größere Hunde und Tiere mit großem Bewegungsdrang haben im Normalfall in einer Großstadtwohnung nichts zu suchen, weil von einer artgerechten Haltung kaum die Rede sein kann, und das schon gar nicht, wenn die übrigen Haushaltsmitglieder den meisten Teil des Tages außer Haus sind.

Zudem ist zu konstatieren, dass die Vorstellungen über eine vernünftige Ernährung der Vierbeiner von Besitzer zu Besitzer sehr stark divergieren. Das gleiche trifft auf den notwendigen Turnus des Stoffwechsels, die Mindestanforderungen an täglicher Bewegung und die aufzuwendende Beschäftigung und Ausbildung mit dem Tier zu. Das alles muss auch noch auf die einzelnen Hunderassen abgestimmt sein. Wenn man nicht gar, bei den bekannten Vorzügen dieser Tierart was das Gehör und den Geruchssinn angeht, von bewusst in Kauf genommenen Schädigungen durch Großstadtlärm und –mief auf Auspuffhöhe ausgehen muss. Es ist deshalb nicht einzusehen, wieso der im Grundgesetz festgeschriebene Tierschutz nicht konsequent durch Gesetze umgesetzt wird. Das wäre ganz einfach: Erstens müsste jeder, der einen Hund besitzen will, nachweisen, dass seine Wohnverhältnisse für eine artgerechte Haltung der vorgesehenen Rasse überhaupt ausreichend sind; zweitens müsste der zukünftige Hundebesitzer nachweisen, dass er über die Aufzucht und Haltung eines Hundes der gewünschten Kategorie ausreichend geschult ist und drittens sollte ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden, damit besonders auffällige Gewalttäter vom Hundebesitz ausgeschlossen werden. Alle Fragen nach der Sicherheit der Allgemeinheit vor Hunden und ihren Besitzern werden mit einer solchen Regelung vermutlich obsolet.

Frank Marten, Berlin

Sehr geehrter Herr Marten,

Sie haben vollkommen Recht; die konsequente Umsetzung des Tierschutzgesetzes müsste bedeuten, dass derjenige, der ein Haustier anschaffen will, vor dem Erwerb seine Sachkunde nachweist. Für Hunde-Halter sollte zudem Hundeschule und Haftpflichtversicherung Pflicht werden. Wir fordern zusätzlich, dass die, die weitere Tiere in die Welt setzen wollen, nicht nur Sachkunde und geeignete Räume, sondern auch Zuverlässigkeit (z.B. durch ein Führungszeugnis) nachweisen müssen. So wird verhindert, dass aggressive oder verhaltensgestörte Tiere „produziert“ werden. Hunde- und Katzenhalter sollten außerdem ihre Tiere mit einem Mikrochip kennzeichnen und registrieren. Obwohl diese Vorschläge weder Menschenrechte noch Datenschutz tangieren und für den Staat kostenneutral wären, greift die Politik sie nicht auf. Dabei dienen sie bei konsequenter Umsetzung und Kontrolle sowohl dem Tierschutz, als auch im Fall von großen Hunden, dem Schutz von Menschen!

Ihre Behauptung, große, bewegungsfreudige Hunde haben in einer Großstadtwohnung nichts zu suchen, können wir jedoch nicht teilen. Die Größe der Wohnung ist im Zusammenhang mit Hundehaltung sekundär. Außer den obigen Forderungen ist vor allem die Zeit wichtig, die wir dem Tier widmen. Der Hund soll ja nicht in der Wohnung herumtoben. Deshalb raten wir auch ganztags Berufstätigen davon ab, sich Hunde – auch kleine – anzuschaffen!

Hunde sind zwar lauffreudig, aber in erster Linie Rudeltiere und leiden unter mehrstündigem Alleinsein mehr als unter mangelndem Auslauf. Das bestätigt jeder, der Nachbars einsamen Hund - auch im schönsten Garten - stundenlang bellen und jaulen hört. Richtig glücklich ist ein Hund erst, wenn der Besitzer mit ihm spazieren geht. Und spazieren gehen kann man in Berlin wunderbar und fast überall. Vielleicht nicht gerade neben der Hauptverkehrsstraße. Auspuffmief schadet auch Menschen! Entfernen dann noch alle Hundehalter die festen „Stoffwechsel-Produkte“ ihrer Tiere, sind wir alle zufrieden und wenden uns wichtigeren Themen zu.

Carola Ruff ist Geschäftsführerin des Tierschutzvereins und Leiterin des Tierheims in Berlin .

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