Leserbriefe : Trotzdem: Danke an Anke

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Um es einmal klar zu sagen: Harald Schmidt war oder ist nicht der Gott der Intellektuellen, sondern der Gott der PseudoIntellektuellen und Halbgebildeten. Was an seinem Tagesrückblick besonders politisch gewesen sein soll, ist mir unklar: Die meisten Nachrichten, auf die er sich berief, stammten aus Boulevard-Blättern, seine Kommentare waren überladen mit Klischees. Die Liste der Klischees, derer er sich bediente, war schier endlos. Seine Gäste waren keineswegs die großen Denker unserer Zeit, sondern Pop-Sternchen, Darsteller aus Vorabendserien und Moderatoren der Senderfamilie.

Natürlich kann man Anke Engelke nicht nach der ersten Sendung beurteilen – obwohl Einigkeit darüber besteht, dass es ein Fehler war, ihrer Sendung die gleiche Struktur aufzuerlegen. Traurig ist aber, wenn man liest, was aus Kritiker-Sicht an der Sendung gelungen war – wieder nur dann, wenn Klischees bedient wurden. Aber die durchweg männlichen Autoren trauen Frauen im Allgemeinen weder Humor noch politisches Verständnis zu. An Spontaneität hingegen – bei Schmidt kaum vorhanden – wird rumgemäkelt, ebenso wie an Engelkes angeblich zu sanfter Gesprächsführung: Seit wann ist es ein Makel, einen Gast ausreden zu lassen?

In gewohnter Manier parodiert Anke Engelke sich selbst und die an sie gestellten Erwartungen. Harald Schmidt hingegen kann man nicht parodieren – er ist so glatt, dass er keinen Ansatz für Kritik oder Parodie bietet. Ein Vorbild für alle Rückgratlosen, denen Welt und Werte egal sind und die sich selbst zu wichtig nehmen.

Ingo Ganz, Berlin-Reinickendorf

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