Leserbriefe : Über den eigenen Tellerrand blicken

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Zur Debatte über ein Rauchverbot

in der Öffentlichkeit

Leider ist das Zurückrudern der Bundesregierung in Sachen Rauchverbot nur ein weiterer Beweis dafür, dass dieses Land nahezu unregierbar geworden ist. So haben es sich die viel zitierten Väter des Grundgesetzes bestimmt nicht gedacht. Anstatt die heilige Kuh Föderalismus endlich zu schlachten, wurde die Kleinstaaterei kürzlich in einer sogenannten Reform noch zementiert.

Jürgen Rothe,

Berlin-Schmöckwitz

Wer seit Jahren die Debatte um mehr Nichtraucherschutz verfolgt, bemerkt, dass sich der Argumentationsstrang der Hardliner unter den Rauchern und der Tabaklobby um keinen Jota verändert hat. Immer wieder werden aus diesem Bereich staatliche Regulierungen für vernunftwidrig gehalten und die Freiwilligkeit der Maßnahmen betont. Doch „freiwillig“ bedeutet auch, einen freien Willen zu haben. Aber seit wann sind Suchtkranke noch fähig, in Bezug auf ihr Rauchen ihre Entscheidungen nach freien Willen zu treffen?

Umso unverständlicher ist, wenn demnächst Landesregierung um Landesregierung vor der Tabaklobby einknicken wird und gerade dieses Argument der Freiwilligkeit in ihren Entscheidungen anführen wird, zu Lasten derjenigen, die sich dann bei einem Restaurantbesuch freiwillig entscheiden dürfen, sich dem Raucherqualm und seinen Gesundheitsgefahren aussetzen zu dürfen oder auf einen Besuch zu verzichten.

Etwas mehr Mut und auch ein Blick über den eigenen Tellerrand wären angebracht, dann würde zumindest dem Staat bewusst, wie hilflos und wenig zielführend seine Aktionen und wie unangebracht die Szenarien der uneinsichtigen Raucher sind. Doch dazu gehörte auch ein Wille, der nicht vom Rauch eingenebelt ist.

Manfred Herz, Berlin-Kreuzberg

Mein Vorschlag: Berlin regelt das Rauchverbot beziehungsweise die Raucherlaubnis bezirksweise!

Bernhard von Jan,

Berlin-Moabit

Das Scheitern des bundeseinheitlichen Rauchverbots ist nicht nur blamabel für die Beteiligten, sondern es zeigt – auch wenn das bestritten wird – das Einknicken vor der Tabaklobby. Nur wird das geschickt versteckt, in dem Verfassungsbedenken vorgeschoben werden.

Marco Seiffert, Berlin-Wittenau

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