Leserbriefe : ÜBERLASTUNG DER LEHRER Die Schule soll die Defizite der Nation heilen

-

Betrifft: „Depressionsforscher: Jeder zweite Patient ist Lehrer“ vom 1. November 2002

Ihr beachtlicher Artikel bringt ein Thema zur Sprache, das endlich öffentlich, nicht nur in Akademien, diskutiert werden muss: Welches Verhältnis hat unsere Gesellschaft zu Bildung und Erziehung und zum Lehrer? Da können wir den Einfluss der Klassengröße auf das „Ausgebranntsein“ der Lehrer und Lehrerinnen getrost in die zweite Reihe stellen. Und wir müssen auch nicht auf die höchst wichtige Forderung, die Berufseignung des künftigen Lehrers müsse rechtzeitig und offen geprüft werden, jetzt näher eingehen. Es sind zwei Sachverhalte, die immer wieder verdrängt werden und doch von höchster Bedeutung sind.

Die Schule soll die Defizite der Nation heilen. Sie soll zu Gewaltfreiheit, Rechtsbewusstsein, zu staatsbürgerlicher Verantwortung erziehen, doch in der Gesellschaft wird das nicht vorgelebt. Das, was Schule vermittelt, erfährt seine Glaubwürdigkeitsprobe im Alltag der Gesellschaft. Lehrer sind nicht die Sanitäter der Gesellschaft. Es geht daher nicht nur um ein wertorientiertes Bilden und Erziehen in der Schule; wir alle müssen uns der Forderung nach wertorientiertem Verhalten stellen. Dilthey brachte es auf den Satz: „Die Erziehung ist eine Funktion der Gesellschaft“. Ich spitze zu: Jede Gesellschaft hat die Schule, die sie verdient.

Die Überforderung von Schule und Lehrern und die subtile oder offene Verachtung sind zwei Seiten ein und derselben Münze. Der Gesellschaft tut Besinnung auf das Mögliche not, der Lehrer braucht Ermutigung!

Dr. HannaRenate Laurien, Berlin-Lankwitz

0 Kommentare

Neuester Kommentar