Leserbriefe : Umgangsformen

Zum Interview mit Hans-Hermann Tiedje vom 6. Februar

„Entschuldigung“ ist auf dem besten Weg, zum Wort des Jahres zu werden. Obama hat sich entschuldigt, der Papst soll sich entschuldigen, Mehdorn entschuldige sich halbherzig und viele andere befinden sich offenbar in der Warteschleife mit Ihren Entschuldigungen.

Da ist das Problem. Alle mögen sich entschuldigen wollen. Sie können es aber nicht, da keiner, der Schuld auf sich geladen hat, in der Lage ist, diese Schuld selbst zu beseitigen. Er muss dem Verletzten anbieten, dass er ihn entschulden möge. Die Kurzform „Entschuldigung“ mag im täglichen Gebrauch angehen. Die Langversion lautet aber noch immer: Entschuldigen Sie bitte!

Der Empfänger mag dann entscheiden, ob er bereit ist, den Verletzer zu entschuldigen. Es ist das Privileg des Verletzten zu entschuldigen oder auch nicht. Auch mehrfaches Vorbringen von Entschuldigungen erhöht nicht den Anspruch auf deren Erteilung.

Hans Eike v. Oppeln-Bronikowski,

Berlin-Charlottenburg

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