Leserbriefe : Unanständiges Handeln

„Überflüssig und unanständig? / SPD und Krankenkassen beklagen, dass Ärzte zu häufig kostenpflichtige Zusatzuntersuchungen vorschlagen“ von Rainer Woratschka vom 13. Juli

Laut dem Artikel kommen die meisten Angebote für sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen (IGel), von Augenärzten, wobei Augeninnendruckmessungen am häufigsten offeriert werden. Hierzu möchte ich als betroffener Patient Folgendes bemerken: Augenärzte empfehlen regelmäßige Augeninnendruckmessungen wegen der Gefahr, dass sich unerkannt und schleichend ein Glaukom („grüner Star“) entwickeln kann, das – unbehandelt – zum Absterben von Sehzellen bis zur Blindheit führt. Das Heimtückische an der Erkrankung ist, dass sich Betroffene oftmals über die Erkrankung nicht im Klaren sind und sich erst dann in augenärztliche Behandlung begeben, wenn bereits große Teile der Sehkraft unwiederbringlich verloren sind.

Die Krankenkassen haben Augeninnendruckmessungen bei noch nicht Erkrankten als „medizinisch nicht notwendige Leistungen“ aus ihrem Leistungskatalog gestrichen. Sie bringen damit ihre Versicherten in eine schwierige Situation. Das Pikante an der Angelegenheit: Im Falle einer Erblindung würden nicht die Krankenkassen, sondern andere öffentliche Stellen mit den Kosten belastet. Wenn nun Krankenkassenvertreter und Gesundheitspolitiker das Vorgehen der Augenärzte als überflüssig und unanständig anprangern, ist wohl die Frage erlaubt, wer hier unanständig und zynisch handelt.

Klaus-Peter Reinhard, Berlin-Dahlem

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