Leserbriefe : Ungebildete lassen sich leichter verführen

Zur Forderung des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan nach türkischen Gymnasien in Deutschland

Vom Atlantik bis in die Mongolei reicht Erdogans panturkistischer und nationalistischer Größenwahn, man lese nur seine Kölner Predigt von 2007 nach. Aber Erdogan sollte zunächst sein Schulwesen bis nach Anatolien hinein ausmisten, bevor er anderen befiehlt, was sie zu tun haben. Ein gebildeter Türke geht aber eher nicht seinen Schutzregeln zur „Bewahrung der türkischen Rasse“ auf den Leim, Ungebildete lassen sich eben leichter verführen.

Klaus Katzur, Berlin-Zehlendorf

Man kann dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan mit seiner provokant gemeinten Forderung nach türkischen Gymnasien in Deutschland ziemlich einfach den Wind aus den Segeln nehmen. Denn was er will, gibt es in Gestalt der staatlichen Europa-Schulen in Berlin im Ansatz schon längst (SESB). Das sind Schulen für alle europäischen Sprachen, auch die türkische Sprache, in denen Kinder von der Grundschule bis zum Abitur parallel in zwei Sprachen unterrichtet werden. Man kann in der Grundschule wählen, ob das Kind in der deutschen oder in der vom deutschen Standpunkt aus fremden Sprache alphabetisiert wird. In beiden Fällen führt das zu dem Ergebnis, dass die Kinder mündlich wie schriftlich kompetent von der einen zur anderen Sprache einfach „umschalten“ können.

Der „Weg in die Sackgasse“ muss also keineswegs vorgezeichnet sein. Die Schüler der Berliner Europa-Schulen entwickeln sich jedenfalls zu Mittlern zwischen den (Sprach-)Kulturen und sind die eigentlichen Vorreiter der Globalisierung. Die in Deutschland vorhandene Richtungslosigkeit der Migration – deutsches Misstrauen gegenüber den vielen Fremden bzw. ängstliche bis trotzige Abwehr der hier vorgefundenen Kultur auf der Seite der Migranten – kann durch konsequenten Ausbau des begonnenen Weges durchaus überwunden werden. Die Erziehung zu Toleranz und Demokratie erfordert das nachgerade.

Ingeborg Bohrmann, Dortmund

Zwar wäre rein formell gesehen vielleicht nichts gegen ein türkisches Gymnasium zu sagen (schließlich gibt es ja englische, französische, u. a. Gymnasien), aber sinnvoll wäre es nicht. Ein türkisches Gymnasium in Deutschland hätte nur einen gewissen Sinn, wenn Eltern von vorherein sicherstellen wollten, dass ihre Kinder nach Abschluss in die Türkei zurückkehren statt in Deutschland zu bleiben. Aber dafür wäre ein Internat in der Türkei viel wirksamer.

Ansonsten wäre Türkisch als zweite oder dritte Fremdsprache in der Tat hilfreich, damit Kinder mit türkischem Hintergrund die Sprache ihrer Eltern auch richtig sprechen und schreiben könnten. Aber ratsam wäre das nur, wenn als Wahlfach angeboten. Ich könnte mir nämlich nicht vorstellen, dass deutsche Eltern ihre Kinder in ein Gymnasium mit Türkisch als Pflichtfach schicken würden. Es ist aber äußerst wichtig, dass Kinder mit Migrationshintergrund Schulkameraden haben, die muttersprachlich Deutsch sprechen.

In der Landessprache frei sprechen zu können, ist Schlüsselbedingung für eine erfolgreiche Integration. Es liegt also zuallererst in den eigensten Interessen, dass Kinder richtig Deutschsprechen lernen. Abgesehen davon ist von allen, ganz gleich ob Muslim oder nicht, zu verlangen, dass sie die Verfassung und das Gesetz respektieren. Ob sie im Kino miteinander knutschen, oder Sex vor der Ehe haben, soll hingegen jede(r) für sich entscheiden.

Waruno Mahdi, Berlin-Neukölln

Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat dankenswerterweise wieder einmal deutlich gemacht, wohin die Reise geht. Er forderte türkische Gymnasien, eine türkisch geprägte Ausbildung für deren Abiturienten, türkisch-deutsche Universitäten und die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft in Deutschland. Das ist es, was er unter Integration versteht. Eine türkisch-deutsche Regierung für ein „integriertes“ Volk der Türken und Deutschen hat er noch nicht gefordert. Vielleicht wachen die Multikulti-Träumer aber jetzt allmählich auf.

Dierk Lübbers, Münster

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