Leserbriefe : Uns laufen die Arbeitgeber davon

-

„Des Kanzlers Aufschwung“ vom 3. Februar 2005

Auch diesem Artikel von Harald Schumann ist für Punkt für Punkt uneingeschränkt zuzustimmen. Diese Wirtschaftsordnung ist – wie der Artikel wieder einmal zeigt – nicht geeignet, das Problem Arbeitslosigkeit zu lösen, sie ist das Problem!!! Dem dummen Bürger wird eingehämmert, dass ein Betrieb nur überleben kann, wenn er Gewinne abwirft, die in den Betrieb reinvestiert werden können – das ist eine Binsenweisheit unter besonderer Berücksichtigung des Wörtchens „können“. Heutzutage wird aus Reinvestitionsgewinn Aktionärsprofit sowie aus Gewinn Gewinnerwartung auf Kosten der lohnabhängig Beschäftigten, und die Politik ist willen und hilflos, weil machtlos.

Jörg Gätschmann, Berlin-Lichterfelde

Die Prägnanz, mit der Ihr Redakteur Harald Schumann in seinem Beitrag erklärt, warum Hartz IV für den Wirtschaftsaufschwung nicht funktionieren kann, verdient Lob. Bei der Gründung der „grünen“ Partei 1980 gehörte Nullwachstum zu deren Zielen: Es ist nahezu vollbracht! Hartz IV korrigiert Gesetze, die den Bürgern seit 1969 vor jeder Wahl unverlangt (!) geschenkt wurden, wird aber weder Kaufkraft noch Arbeitsplätze schaffen. Das misslungene NPD-Verbot haben nicht Eltern, Lehrer und Erzieher zu verantworten, sondern die selbstgefällige Politik. Sie muss mit besseren Mitteln für Wirtschaftswachstum sorgen, dann wird die NPD auch ohne Bundesverfassungsgericht in die Einflusslosigkeit verbannt.

Volker Schudak, Berlin-Lichterfelde

„Walter Bau insolvent – Die Krise der alten Modelle“ vom 2. Februar 2005

Herr Döbler irrt, wenn er meint, dass nicht die Bundesregierung bzw. die Politik Arbeitsplätze schafft; dabei erwähnt er an anderer Stelle den genau richtigen Zusammenhang: „Die Konjunktur … kommt insgesamt kaum in Fahrt, und der Hauptauftraggeber der Branche – die öffentliche Hand – hält sich mit großen Bauinvestitionen zurück“.

Für die Konjunktur, bzw. andersrum, das Abwürgen genau dieser, ist eben doch die Politik verantwortlich, mit ihrem starren Festhalten an falschen Spar- und Preisstabilitätsvorgaben. Und dass der Staat seiner Verpflichtung, die Baubranche (und andere) mit Investitionen und allgemein durch Ankurbelung der Nachfrage zu unterstützen, nicht nachkommt, ist ein Skandal. Und das dauernde Herumgetrampel auf dem Standort Deutschland mit seinen angeblich überholten Einrichtungen („Tarifvertrag“) macht es dem Volk nicht leichter, seinerseits für Nachfrage und damit Konjunktur zu sorgen. Wäre die Stimmung besser, gäbe es genügend Nachfrage nach Standardkleinwagen etc.

Tim Karsten, Berlin-Moabit

„5,037 Millionen sind ohne Arbeit – so viele wie nie“ vom 2. Februar 2005

Endlich rafft sich eine Regierung zu einer neuen Ehrlichkeit in der bundesdeutschen Ökonomie auf. Nicht zuletzt hat die Kohl-Regierung 16 Jahre lang vor den Wahlen mit ABM-Maßnahmen die Arbeitslosenzahlen manipuliert.

Nun wäre es aber auch an der Zeit, dass die vierte Gewalt im Lande eine neue Ehrlichkeit für Deutschland einleitet.

Es sollte damit Schluss sein, Entlassungen im Sinne der Unternehmer als Schritt zur Sicherung der Restarbeitsplätze darzustellen, wie oft funktioniert das? Es sollte nicht mehr von mangelnder Konkurrenzfähigkeit geredet werden, wenn man gleichzeitig Exportweltmeister ist. Es sollte Schluss damit sein, von knappen Gewinnmargen zu reden und gleichzeitig Milliardensummen zum Ankauf von Konkurrenzunternehmen aufzubringen und Millionensummen zur Befriedigung der Managerwünsche zu aktivieren. Dem Arbeitnehmer sollte offen gesagt werden, dass ihn betreffende Sparmaßnahmen nicht mehr der Schaffung von Arbeitsplätzen dienen, sondern ausschließlich dem Erhalt und der Steigerung der oben genannten Gewinne.

Auch muss damit Schluss sein, die Globalisierung als Chance für alle darzustellen, wenn doch erkennbar ist, dass sie der Steuerflucht und der Abwanderung der Großunternehmen in Billiglohn-Länder dient und dem Raubbau von Arbeitsplätzen in Deutschland Vorschub leistet und nur geringfügig der Sicherung der heimischen Arbeitsplätzen dient.

Natürlich haben sich viele in eine Situation manövriert, in der man entweder das Erkennen der eigenen Lebenssituation verweigert und jede weitere Verschlechterung der bundesdeutschen Lebenssituationen gutheißt, oder man nutzt eine neue Ehrlichkeit, um dem Land künftig mit kritischem Patriotismus zu begegnen. Die Verfechter der totalen Konkurrenzwirtschaft übersehen scheinbar, dass auch ein System ohne Konkurrenz verwahrlost und sich früher oder später selbst zerfleischt, der Einzelne bleibt dabei ohne jede Chance. Wir sind auf dem besten Weg dahin.

Gerhard Prczygodda, Berlin-Spandau

„Nur die Zahlen zählen“ vom 2. Februar 2005

Recht hat Herr Appenzeller – nur die Zahlen zählen. Fünf Millionen Arbeitslose in Deutschland sind erschreckend, die Grenze ist in der Tat magisch.

Immer wieder gern wird von den Journalisten mit erhobenem Zeigefinger jedoch auf Deutschland im Jahre 1933 mit sechs Millionen Arbeitslosen und auf die unheilvolle Situation verwiesen, die daraus in der Folgezeit entstand. Aber: Nur die Zahlen zählen.Während im Deutschland von 1933, das übrigens flächenmäßig noch deutlich größer war als das heutige, nur 65 Millionen Menschen lebten, unter denen auch sechs Millionen Arbeitslose waren, sind es heute über 82 Millionen Menschen, unter denen fünf Millionen Arbeitslose leben. Die Verhältnisse sind also auch ohne jede strukturelle Betrachtung keinesfalls vergleichbar

Dr. Harald Sempf, Potsdam

„Fünf Millionen ohne Job – „keine Panik“ vom 1. Februar 2005

Mehr als fünf Millionen Arbeitslose sind allemal ein Grund zur Panik, schon allein deswegen, weil die negative Entwicklung weitergeht, wofür Walter Bau, Opel, Schultheiss usw. sprechen.

Uns geht nicht die Arbeit aus, sondern uns laufen die Arbeitgeber davon, wenn sie noch laufen können. Insbesondere Arbeitsplätze für geringere Qualifikationen und geringere Produktivität sind durch die Tarifabschlüsse der letzten 30 Jahre systematisch vernichtet worden. Darüber freuen sich nur die Neonazis. Warum muss man in Deutschland für die tatsächlich gearbeitete Stunde etwa 25 Prozent mehr bekommen, als der gleich gute Arbeitnehmer bei unseren westlichen Nachbarn?

Das Land lebt von der Substanz. Wann verliert sich endlich der wilhelminische Wahn, dass wir Deutschen es immer besser können müssen als unsere Nachbarn?

Dr. Kurt Lubasch, Berlin-Schmargendorf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben