Leserbriefe : Unverantwortliche Horrorszenarien

„Schwein gehabt / Das neue Grippevirus war nicht so gefährlich wie befürchtet, der Staat nicht so gut vorbereitet wie gehofft“ von Kai Kupferschmidt vom 19. März

In der ersten Dekade des neuen Jahrtausends haben die Virologen den „Hattrick“ für falsche Prognosen gelandet: falsch bei Sars, falsch bei der Vogelgrippe und falsch bei der Schweinegrippe. Was soll man von solchen Wissenschaftlern halten? Ich könnte hier auch noch BSE anfügen !

Wenigstens geben einige von ihnen zu, dass die klassische Infektionsepidemiologie vollkommen vernachlässigt wird, so dass wir keine wirklich zuverlässigen Zahlen haben, weil ganz einfach nicht richtig gezählt wird.

In Deutschland ist es kurios, dass sich die Mikrobiologen Fachärzte für Infektionsepidemiologie nennen dürfen, obwohl sie nur im Labor waren und von epidemiologischer Methodik wenig wissen.

Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass seit vielen Dekaden in der westlichen Welt und auch in Deutschland die Lebenserwartung um zwei bis 2,5 Jahre pro Dekade zunimmt( wir werden jeden Tag 24 Stunden älter aber biologisch nur 18 Stunden) sind die von Virologen verbreiteten Horror- und Untergangsszenarien bezüglich Influenza-Epidemien unverantwortlich und schwer erträglich. Und in den Entwicklungsländern wie in Afrika stehen Malaria, HIV/AIDS und Tuberkulose ganz im Vordergrund!

Die letzte Influenza-Epidemie, die in Deutschland einen kurzzeitigen Einfluss auf die Mortalität bzw. die Lebenserwartung hatte, fand 1968 statt, es handelte sich um die Hongkong-Grippe.

Die Spanische Grippe, die immer wieder von Virologen als moralische Keule für Kritiker ihrer Horrorszenarien herangezogen wird, wies übrigens eine 30-fache Variabilität der Mortalität auf. Sie war nur bei den sozial Schwachen gefährlich. Daraus kann man im Sinne der berühmten Berliner Ärzte Salomon Neumann und Rudolf Virchow lernen, dass es besonders wichtig ist die sozialen Verhältnisse der Bevölkerung zu verbessern.

Angstkampagnen mit sogenannten Influenza-Killerviren bringen uns wirklich nicht weiter und sind vollkommen überflüssig. Aber mir scheint auch, dass in Deutschland der Kampf zwischen Rudolf Virchow und Robert Koch noch längst nicht ausgestanden ist. Ich bin jedenfalls der Meinung, dass Rudolf Virchow die bessere und tragfähigere Theorie von Gesundheit und Krankheit hat.

Prof. Ulrich Keil, Münster

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