Leserbriefe : Utopia lässt grüßen

Zur Weihnachtsansprache von

Bundespräsident Horst Köhler

Die Worte des Bundespräsidenten in Ehren: Die Aussichten für 2009 sind mehr als trübe, daran ändert auch seine Rede nichts. Seit Jahrzehnten haben nicht mehr so viele Menschen um ihre wirtschaftliche Zukunft bangen müssen wie derzeit. Und woran liegt das? Daran, dass einige Zocker den Hals nicht voll genug bekommen konnten. Die haben ihre Schäfchen sicherlich längst im Trockenen, aber die Zeche zahlen die Menschen weltweit. Was macht eigentlich die nach Ausbruch der Finanzkrise angekündigte Regulierung der weltweiten Finanzmärkte? Davon ist nichts mehr zu hören. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Andreas Bock, Berlin-Schöneberg

Schöne Worte sind es zwar: Kapital soll allen zu Diensten sein. Aber was müsste an konkreten Maßnahmen folgen? Geldkapital dürfte dem Währungsraum nicht entzogen werden können, wenn die Gewinne „zu gering“ ausfallen. Marktverhältnissen entsprechend müssten Kapitalgewinne sogar gegen null sinken können. (Risikoprämien müssten nach ordnungsgemäßer Tilgung der Kredite zurückgezahlt werden.) Minimierung von Kapitalkosten käme über niedrigere Preise oder höhere Löhne der Allgemeinheit zugute. Die Menschen hätten mehr Geld übrig, um Ersparnisse zu vermehren, auch bei einem Nullzins.

Utopia lässt grüßen? Utopisch ist ganz gewiss die Erwartung, die weit über die reale Wirtschaftsleistung hinaus akkumulierten Geldvermögen könnten „ewig“ mit Zinsen bedient werden und die Schuldenberge und Zinslasten könnten dementsprechend immer weiter wachsen. Die Folgen sind zwangsläufig irgendwann Staatsbankrott oder Entschuldung durch eine Hyperinflation. Wenn dies auf Dauer verhindert werden soll, muss umgedacht und dann auch entsprechend gehandelt werden, so utopisch das zunächst mal klingt.

Josef Hüwe, Berlin-Zehlendorf

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