Leserbriefe : Versöhnung und Verständigung

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„Das Jahrhundert der Gejagten“

vom 11. August 2006

Noch ganz erfüllt und beeindruckt von der großartigen Ausstellung „Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts“ komme ich nach Hause zurück und lese verständnislos im Tagesspiegel, dass nicht nur die Vertreter der jetzigen und der vergangenen polnischen Regierung die Ausstellung scharf kritisieren, sondern auch das Warschauer Stadtmuseum Exponate auf Drängen des polnischen Außenministeriums zurückfordert. Die Ausstellung, die in sehr zurückhaltender Weise das Elend der Flüchtlinge und Vertriebenen in ganz Europa zeigt, darunter auch das der von Deutschen wie von Russen vertriebenen Polen, ist ein Vorbild an Ausgewogenheit und vermeidet an allen Stellen, wo das zu befürchten war, das Schüren von Hass und Nationalismus. Obwohl von Deutschen zusammengestellt, spielt das Leid der deutschen Vertriebenen keine größere Rolle als das der Armenier oder der Griechen.

Das einzige, was ich bedauere, ist, dass diese Ausstellung, die ohne sichtbare Propaganda, ja sogar trotz abschreckender Absperrung des Zugangs sehr gut besucht ist und alle Besucher in ihren Bann schlägt, schon nach kurzer Zeit wieder verschwinden soll. Eine solche Ausstellung, die immer wieder auf Versöhnung und Verständigung hinarbeitet, sollte in Berlin-Mitte unbedingt erhalten bleiben und noch erweitert werden.

Dr. Günther Haasch, Berlin-Zehlendorf

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