Leserbriefe : Volle Kraft voraus, der nächste Eisberg ist in Sicht

Zur Berichterstattung über die Regionalschule und den Zugang zu Oberschulen

Was wäre das für ein Durchbruch! Die Schulwahlentscheidung nach der 4. bzw. 6. Klasse der Grundschule hat sich doch zum Albtraum für Kinder und Eltern entwickelt, mit heftigstem Leistungs- und Konkurrenzdruck schon ab der 3. Klasse (weil von den Noten der 8-Jährigen die Chance zum Übergang aufs grundständige Gymnasium abhängt). Die Schaffung der Regionalschule ist sicher eine gewaltige Herausforderung für die Lehrerinnen und Lehrer und und besonders für die Schulleitungen. Aber sehen Sie es doch bitte einmal aus Elternsicht: Im Ergebnis eine Schulform zu haben, in der die Kinder zusammenbleiben können und in der der Bildungsweg des einzelnen Kindes von seiner Eignung und Leistung abhängt und nicht von der Zuordnung zu einer Schulform im 10. oder 12. Lebensjahr – das wäre für das Berliner Bildungssystem ein historischer Schritt nach vorn. Voraussetzung: Auch die Regionalschule muss den Weg zum Abitur eröffnen. Sonst wäre sie wieder nur eine halbe Sache.

Reinhard Kaiser,

Berlin-Prenzlauer Berg

Endlich mal ein wirklich neues Flaggschiff. Ein neuer Schultyp, längst überfällig, diese innovative Baureihe. Weg mit dem Wrack der schon lange gesunkenen Loser-Hauptschule! Das Einzige, was jetzt noch fehlt, ist ein neues Logbuch, das ausweist, wo die Reise hingehen soll. Und eine adäquate Betriebsanleitung für die Besatzung zum Manöv rieren des Luxusliners. Das Geld für eine moderne Innenausstattung, um angemessene Rahmenbedingungen für die neue Klientel zu schaffen, stellt sicherlich das geringste Problem dar. Gewiss zaubert der Schulsenator schon bald das nötige Rüstzeug aus dem Hut, denn bis zur Jungfernfahrt ist es nicht mehr lang. Wir Matrosen sind begeistert! Leider haben auch wir bisher nur aus der Presse vom neuen Wunderdampfer erfahren, gesehen hat ihn noch niemand. Aber die Mannschaft wird das schon meistern, auf uns ist immer Verlass. Wir haben bisher jedem Sturm auf noch so rauer See getrotzt, egal wie bescheiden ausgerüstet unsere Flotte auch war, egal, bei welchem Wellengang Politiker uns losgeschickt haben, der Wind blies uns immer ins Gesicht. Also, Mannschaft, weiter so, auf ins neue Jahr und volle Kraft voraus, der nächste Eisberg ist bereits in Sicht!

Burkhard Günter, Berlin-Wilmersdorf

So, so: die Erreichbarkeit der Schule wird nach dem BVG-Portal (ich nehme an, im Internet) ermittelt. Weil das Internet eine so zuverlässige Quelle ist?

Ein Beispiel: Bei bvg.de betrug die angebliche Fahrzeit des Busses 147 vom Schlesischen Tor zum Hauptbahnhof 16 Minuten. Hätte ich mich darauf verlassen, hätte ich meinen Zug verpasst: In Wirklichkeit, inzwischen nach meinem Hinweis geändert, braucht der 147er 26 Minuten ... Ein hieb- und stichfestes Kriterium sieht anders aus.

Ari Gosch, Berlin-Kreuzberg

Vor wenigen Wochen hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass der Gesetzgeber sich nicht anzumaßen hat, eine willkürliche Grenze bei der Entfernung zum Arbeitsort bei 20 km zu setzen. Exakt ein solches Verfahren einer Grenzsetzung kennzeichnet die Schüleraufnahme an den Oberschulen Berlins seit Jahren. Sie ist ein Folge einer unglücklichen Schulgesetzgebung und von deren Interpretation durch Berliner Verwaltungsgerichte. Dabei haben die Gerichte einen Begriff der Gesetzgebung zu deuten, den es juristisch gar nicht gibt: den Begriff „Erreichbarkeit“. So ist es Fakt geworden, in Berlin die Aufnahme an Oberschulen, an denen mehr Anmeldungen vorliegen, als Plätze vorhanden sind, mithilfe der per BVG-Tarifinfo gemessenen Entfernung des Wohnorts von der Schule durch die Schulämter zu entscheiden. Im Frühjahr 2008 ist dieses Dilemma, von dem mehrere tausend Familien jährlich betroffen sind, dank zahlreicher Presseberichte öffentlich geworden. Daraufhin hat die Vereinigung der Oberstudiendirektoren Berlins der zuständigen Senatsverwaltung Vorschläge zur Neugestaltung einer Aufnahmeregelung unterbreitet und auch mehrere Parteien hinsichtlich einer notwendigen Neuregelung der gesetzlichen Grundlagen beraten. Abgesehen von mehreren Anträgen im Abgeordnetenhaus zur Veränderung der gesetzlichen Grundlagen ist in der Substanz bisher nichts geschehen. Daher ist zu befürchten, dass auch im Frühjahr 2009 tausende Familien nicht verstehen werden, dass ihr Wohnort über den Schulbesuch des Kindes entscheidet. Gleichermaßen ist den Bürgern nicht zu vermitteln, dass die Entscheidungen nicht dort getroffen werden, wo sie der Bürger erwartet, nämlich an der Schule selbst.

Im Übrigen: Auch Berliner Schulleiter wollen endlich ihre Schulen leiten dürfen. Dazu gehört auch, die Schüleraufnahme zum Beginn der Oberschulzeit regeln zu dürfen, vor allem dann, wenn mehr Anmeldungen an der Schule vorliegen, als Schüler aufgenommen werden können. In fast allen anderen Bundesländern ist das eine Selbstverständlichkeit! Die zuständige Schulbehörde sollte sich ausschließlich um die Vermittlung der noch nicht versorgten Bewerber auf die noch nicht besetzten Schulplätze kümmern.

Ralf Treptow

Vorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren Berlins

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