Leserbriefe : Vorurteile bestimmen das Denken

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Zur Berichterstattung über

die Belastung von Lehrern

Die Idee, schon zu Beginn der Lehrerausbildung die Eignung in Bezug auf Belastbarkeit ermitteln zu wollen, ist natürlich sinnvoll. Trotzdem sind ernsthafte Zweifel angebracht, ob dadurch die Gesamtsituation der Lehrerschaft heute anders wäre. Denn selbst belastbare Lehrer werden durch die gegenwärtige Politik in Berlin sehenden Auges verschlissen. Die eigentlichen Probleme wurden im Tagesspiegel exakt beschrieben: zu große Klassen und eine in den letzten Jahren willkürlich erhöhte Unterrichtsstundenzahl.

Hinzu kommt, dass die Perspektive der Lehrerschaft erklärtermaßen verschlechtert werden soll. So will der Senat, wie es fast wörtlich heißt, den vorzeitigen Ausstieg möglichst unattraktiv machen. Während in Frankreich nicht ohne Grund Lehrer mit 55 Jahren in den Ruhestand gehen können, ist die Aussicht darauf, auch noch mit 67 vor der Klasse zu stehen, selbst für einen mit Freude und Leidenschaft arbeitenden Lehrer schlicht eine Horrorvision. Solange Politiker ihre ganze Energie darauf verwenden, sich in Zynismus zu üben und das Ansehen der Lehrer permanent zu beschädigen und damit auch Gewalttaten gegen Lehrer Vorschub zu leisten, wird sich an der extrem belastenden Situation an den Schulen nichts ändern.

Während in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren ein Wandel hin zu einer realistischen Betrachtung Einzug hielt, scheinen an Kabinettstischen Uraltvorurteile auch weiterhin das Denken zu bestimmen.

Wolfgang Kersten, Berlin-Lichtenrade

Einige unserer Lehrer wollen weniger Stunden unterrichten, weil sie viel Zeit für Verwaltungsarbeiten aufwenden müssen. Wenn das richtig ist – und was Lehrer sagen, ist immer richtig – müssten diese Lehrer auf einen Teil ihres Einkommens verzichten. Solche Verwaltungsarbeiten werden nämlich in anderen Bereichen auch heute noch viel niedriger bezahlt. Mit den Beträgen könnten dann neue Lehrer bezahlt werden.

Günther Bolze, Berlin-Heiligensee

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