Leserbriefe : Wahrheit kann ein Hammer sein

„Der Papst in den USA / Wer nicht fehlbar ist“ von Martin Gehlen vom 14. April 2008

Achtung und Ehrfurcht vor anderen, fremden Religionen können und müssen immer eingefordert und gelebt werden.

Doch heißt das nicht, die eigene Glaubensgewissheit zu ignorieren. Was wäre denn ein Glaubensbekenntnis, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion wert, wenn nicht auch die Überzeugung, im Besitz der Wahrheit zu sein, mit einherginge? Die Wahrheit, in deren Besitz der religiöse Mensch sich fühlt, zielt doch alleine auf seine Beziehung zu Gott und zu seinen Mitmenschen.

Es muss sehr behutsam mit der Wahrheit umgegangen werden; sie kann ein Hammer sein, der vieles zerschlägt. Es gibt nur eine Wahrheit? Sicher! Trotzdem sind unterschiedliche Wahrheiten kein Widerspruch, sondern eher unterschiedliche Facetten, weil ohnehin niemand die ganze Wahrheit erfahren kann. Eine Bereicherung der Menschheit? Ja, wenn Achtung und Ehrfurcht zum friedlichen Miteinander führen – vielleicht sogar zum geschwisterlichen Umgang untereinander. Selbstverständlich darf keiner seine Überzeugung einem anderen aufzwingen wollen. Aber miteinander sprechen, diskutieren, argumentieren, polemisieren immer und bei jeder guten Gelegenheit.

Karl-Hans Gehr, Berlin-Wilmersdorf

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