Leserbriefe : Warum hat die Fifa für die WM-Gala so hohe Eintrittspreise angesetzt?

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„Das Geld war nicht der Grund“ vom 15. Januar und

„Ein Fußballfest – mit Hilfe der Fifa“

vom 18. Januar 2006

Die Fifa hat die WM-Gala am 7. Juni abgesagt mit der Begründung, bis zum ersten Spieltag in Berlin am 13. Juni reiche die Zeit zur Rasenerneuerung nicht aus. Bis zum zweiten Spiel am 15. Juni reicht aber die Zeit nun schon gar nicht mehr, die Rasenschäden vom ersten Spiel zu beseitigen.

Die ersten Spiele am 20., 23. und 30. Juni sowie das Endspiel am 9. Juli sind aus diesem Grund gleichermaßen höchst gefährdet und sehr unwahrscheinlich geworden.

Der tatsächliche Grund dürfte ein anderer sein. Eintrittspreise zwischen 100 und 700 Euro für die Gala bewegen sich in astronomischen Größen und sind für den normalen fußballbesessenen Bürger unerschwinglich, zumal ja gar kein Fußball geboten wird. Der schleppende Vorverkauf hat die Verantwortlichen belehrt, dass das Olympiastadion wohl fast leer bleiben würde. Das wäre hinsichtlich der Kosten kein Problem (könnte doch schon der Verkauf der TV-Rechte ausreichend Kostendeckung bringen), aber die Blamage eines weltweit zu sehenden leeren Stadions mit seiner erheblichen Symbolträchtigkeit für den internationalen Fußball kann sich nun einmal kein Organisationskomitee antun. So führt eine kalkulatorische Fehlentscheidung zum Abbruch der WM-Gala in Berlin. Ein von der Fifa gestreutes Gerücht, dass es angeblich Misshelligkeiten zwischen Weltverband und André Heller gegeben hätte, dient offenbar nur dem Zweck, von der Dürftigkeit und Unglaubwürdigkeit des offiziell genannten Grundes abzulenken.

Kein Ruhmesblatt für die Fifa. Kein Beispiel überlegter Planung. So bleibt ein wahrscheinlich nicht gewollter Affront gegen Gastgeberland und Berlin zurück. Kein gelungener Auftakt für die Spiele.Günther Radtke, Berlin-Lichterfelde

Sehr geehrter Herr Radtke,

zunächst einmal möchte ich Ihnen Recht geben: Die Absage der Gala ist für die Fifa und das WM-Organisationskomitee kein Ruhmesblatt. Man kann uns vorwerfen, nicht schon früher zu diesem Entscheid gekommen zu sein. Umgekehrt belegt unser Festhalten, dass wir vom Konzept überzeugt waren. Was aber nie wirklich ausgeräumt werden konnte, war das Risiko mit dem Rasen, auch wenn das für viele vielleicht schwerer nachvollziehbar ist als die Angabe von anderen Gründen.

In letzter Konsequenz ist es aber so, dass der Sport an der Fifa-WM das Wichtigste ist, und den gilt es zu schützen. Dafür trägt die Fifa die Verantwortung. Bei mehrtägigem Dauerregen wären der Abbau und das Verlegen des neuen Rasens gnadenlos in Verzug geraten mit dem Risiko, keine perfekte Spielunterlage zu haben. Vergleiche, wie zum Beispiel die Situation eines Hagelregens vor irgendeinem anderen WM-Spiel, der zu Problemen mit dem Rasen führen könnte, sind in diesem Kontext nicht zulässig.

Bei aller Enttäuschung in Deutschland und im Speziellen in Berlin kann man der Fifa auch Mut attestieren, noch zu diesem relativ späten Zeitpunkt die Gala abzusagen und sich dem auch zu stellen. Für ein mögliches ähnliches Projekt in der Zukunft muss bestimmt die Grundvoraussetzung geschaffen werden: Dass nämlich zwei Arenen parallel zur Verfügung stehen, eine für die Gala und die andere, in der man sofort Fußball spielen kann.

Die Eintrittspreise waren unserer Meinung nach nicht zu hoch, sie entsprachen etwa einem Drittel der Preise für vergleichbare Eröffnungsfeiern anderer internationaler Sportorganisationen. Der Ticketverkauf bis anhin war zufriedenstellend, und wir waren optimistisch, zumal eine groß angelegte Promotion- und Informationskampagne noch gar nicht gestartet worden war. Auch nicht richtig ist Ihre Aussage bezüglich einer problemlosen Refinanzierung durch TV-Gelder.

Es ist mir wichtig zu betonen, dass der Entscheid der Fifa nicht als Affront gegen Deutschland und Berlin zu verstehen ist. Wir haben Verständnis für die Enttäuschung, und deshalb haben wir der Stadt Berlin auch eine Million Euro als Unterstützung für eine Eröffnungsfeier auf dem Gelände des Fanfestes vor dem Brandenburger Tor zugesagt. Und für die freiwilligen Darsteller und Helfer, die so begeistert mitgemacht haben, werden wir uns auch etwas einfallen lassen.

Ganz zum Schluss noch eine wichtige Klarstellung: Die Fifa war und ist mit der Arbeit von André Heller sehr zufrieden. Wir haben kein gegenteiliges Gerücht gestreut. André Heller wird sich nun auf die offizielle Eröffnung vor dem ersten Spiel im Stadion von München und die Schlussfeier rund ums Finale in Berlin konzentrieren und voll einbringen.

Ich danke Ihnen fürs Verständnis und wünsche Ihnen und allen Berlinerinnen und Berlinern eine tolle und spannende WM, der wir nun alle gemeinsam positiv entgegenfiebern sollten.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Siegler,

Fifa-Direktor Kommunikation

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