Leserbriefe : Warum ist dem Ersten Harald Schmidt so viel wert?

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„Für Unikate zahlt man mehr“ vom 4. Dezember und „Lustig vom Thron“ vom 24. Dezember 2004

Ich frage mich, ob ich nicht genug Humor habe oder verklemmt bin!? Dies alles nehme ich eigentlich nicht für mich in Anspruch – aber das, was da von dem „Unikat“ Harald Schmidt geboten wurde, hat mich veranlasst, nach 12,25 Minuten die Kiste abzuschalten und Strom zu sparen und nicht weiter zu grübeln,was an diesem Mann so teuer und wertvoll ist. So ein Murks ist nach meiner Ansicht eine Beleidigung für den echt humorvoll veranlagten Menschen. Und die ARD betrügt mit dieser Sendung ganz viele Gebührenzahler!

Und Herr Schmidt konnte es sich natürlich nicht verkneifen, den Begriff „Gottvater“ auf den Fragestil eines schlichten Sportreporters anzuwenden. Das war’s, Herr Schmidt, lassen Sie sich ruhig weiter hofieren von einer bestimmten Art Zuschauer – ich hoffe,dass ich nicht allein bin mit meiner Meinung!!!

Ihr im Tagesspiegel abgedrucktes Interview mit dem ARD-Programmdirektor Dr. Struve ist ein Skandal. Ich hoffe sehr, dass ich nicht der einzige Leser dieses Artikels bin, der Stellung dazu bezieht, dass ein „Unikat“ für 30 Minuten Sendezeit (plus Vorbereitung) 80000 Euro bekommen soll und zwar von den Gebührenzahlern der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Ich bin sicher, dass kein einziger Zuschauer, nicht einmal seine Anhänger, diese Mega-Überzahlung verstehen oder akzeptieren können.

Und wenn man heute erfährt, unter welchen Voraussetzungen der Vertrag zustande gekommen ist, dann kann man getrost von Verschleierung, ja Betrug reden.Von Herrn Schmidt kann man ja wohl nicht erwarten, dass er sich selber bescheidet! Aber die Sender-Verantwortlichen sollten mal ganz ruhig in sich gehen und dann mal ins „gemeine“ Volk hören,was dieses wohl zu dieser Scharlatanerie sagt!

Jörg-Uwe Weiß , Berlin-Lichtenrade

Sehr geehrter Herr Weiß,

wie hoch ist der gerechte Preis einer Ware oder Dienstleistung? Darüber lässt sich trefflich streiten, ganz besonders, wenn es um so genannte „Stargehälter“ geht. Ist ein Bundesliga-Torhüter mit einem Jahreseinkommen von geschätzten sieben Millionen Euro richtig bezahlt? Ist es gerecht, dass ein Formel-Eins-Fahrer (18 Autorennen pro Saison) 35 Millionen bekommt? Oder wenn ein bekannter RTL-Moderator in jedem Jahr gleich mehrmals Millionär wird? Man mag sich ereifern und „Scharlatanerie“ rufen. Nüchtern betrachtet lässt sich allgemein gültig nur dies sagen: In der Marktwirtschaft bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Der Marktpreis ist „richtig“, das bedeutet: Er ist von allen zu akzeptieren.

Beim Massenmedium Fernsehen spielt der Massengeschmack eine entscheidende Rolle. Dass die erste Sendung von Harald Schmidt Ihnen nicht gefallen hat, sehr geehrter Herr Weiß, respektieren wir natürlich. Sehr vielen Zeitungsrezensenten ging es allerdings anders, manche haben Schmidts Rückkehr geradezu hymnisch gefeiert. Unbestreitbar ist: Schmidts Show ist auf ein enormes Zuschauerinteresse gestoßen. 5,17 Millionen Menschen schalteten sich ein, der Marktanteil betrug 16,7 Prozent.

Die Zahlen belegen: Harald Schmidt kommt an bei den Zuschauern, und anders als Sie, empfinden viele Menschen seine Pointen als intelligent. Deshalb ist Harald Schmidt jemand, den viele Sender gern im Programm hätten. Das spiegelt sich in seinem Marktwert wider. Zu den in der Presse kolportierten Zahlen unseres Vertragsschlusses mit seiner Produktionsfirma können und wollen wir uns nicht äußern – vertragliche Details gehören in die zuständigen Aufsichtsgremien, nicht in die breite Öffentlichkeit. Nur so viel: Es geht nicht um das Honorar für Harald Schmidt, sondern um den Ankauf einer kompletten Sendung einschließlich der Produktionskosten. Eine jedenfalls teilweise Refinanzierung durch Sponsoring ist geplant, das Interesse der Wirtschaft daran hoch. Wir sind überzeugt, dass der Verzicht der ARD auf teure UEFA-CupRechte zugunsten des Gewinns von Harald Schmidt im Sinn sehr vieler Zuschauerinnen und Zuschauer ist. Dies bedeutet keinesfalls, dass die ARD künftig auf den Erwerb von Sportrechten generell verzichten wird. In den kommenden Jahren werden wir unseren Zuschauern hochklassige Sportereignisse präsentieren, etwa viele Spiele der Fußball WM 2006 in Deutschland oder Übertragungen von den Olympischen Spielen. Wir werden auch künftig attraktive Filmrechte erwerben. Und wir werden Stars vertraglich an unser System binden. Nur auf diese Weise wird die ARD im Konkurrenzkampf der Programme bestehen können. Man kann es auch anders formulieren: Wir werden einer möglichst großen Zahl von Zuschauerinnen und Zuschauern auch in Zukunft einen echten Gegenwert für ihre Gebühren bieten. Dazu gehören neben Sendungen für Minderheiten, die außer uns niemand anbietet, auch Programme für das große Publikum. Harald Schmidt macht solche Sendungen.

— Martin Gartzke, ARD-Sprecher, Hamburg

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