Leserbriefe : Warum ist die Bahn manchmal teurer als das Flugzeug?

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„Bahn erhöht vor Weihnachten die Preise“ vom 21. September 2004

Wir haben zumindest in diesem Winter die Konsequenzen gezogen.

Als wir Anfang September über das Internet eine Verbindung über Weihnachten von Berlin nach Salzburg und zurück buchen wollten, konnte uns die Deutsche Bahn im Internet nicht weiterhelfen, der Winterfahrplan existierte wohl noch nicht.

Auch telefonisch konnte uns bei der Bahn AG nicht weitergeholfen werden. Auch die Preise waren nicht zu erfragen, derzeit liegen sie für einen Erwachsenen mit drei Kindern aber über 200 Euro. Die Preise gelten für Hin- und Rückfahrt, die Kinder fahren kostenlos. Wenn man im Besitz einer Bahncard ist, kann man den Preis reduzieren. Doch die lohnt eigentlich nicht, weil wir eh nur ein bis zwei Mal im Jahr in die Verlegenheit kommen, verreisen zu können, und das auch nicht immer mit der Bahn. Deshalb sparen wir uns bereits seit einigen Jahren die Bahncard.

Zur gleichen Zeit annoncierte ein Billigflieger in der hiesigen Zeitung in großen gelben Anzeigen für seine neue Winterflugverbindung, inklusive Steuern und Gebühren, Berlin-Salzburg ab 19 Euro.

Warum also nicht? Natürlich waren die billigsten Plätze schon weg. Wieder ran ans Internet, verschiedene Termine durchgecheckt, Bankverbindung angegeben, Buchung ausgedruckt!

Das Ergebnis: Hin und zurück kostet der Flug ab Tegel in der Summe für vier Personen rund 190 Euro, die Kinder müssen allerdings, bis auf den jüngsten, zahlen. Der Preis liegt aber trotzdem für den Spontanbucher unter dem Bahnniveau!

Und statt acht oder zehn Stunden mit quengeligen Kindern in einem Großraumwaggon mit teurem Service zu fahren, fliegen wir in cirka drei Stunden inklusive An- und Abfahrt über Weihnachten zu den Großeltern. Dazu brauchen wir auch nicht in München umzusteigen, um mit dem Gepäck zum nächsten Bahnsteig zu hasten.

Außerdem ist es für meine drei Kinder ein Erlebnis („Cool, Papa“) und schließlich schweben Weihnachtsengel zum Fest ja auch immer ein!

In diesem Jahr haben wir die Bahn nicht gebraucht, und im Sommerurlaub waren wir übrigens wegen des Gepäcks mit dem Auto unterwegs. Damit sind wir schließlich auch vor Ort flexibler. Wozu brauche ich die Bahn?

Matthias Heinrich, Kleinmachnow

Sehr geehrter Herr Heinrich,

wir hätten Ihnen gerne schon im September eine preisgünstige Fahrkarte für Ihre Familie verkauft, aber kurz vor Weihnachten werden europaweit die Fahrpläne umgestellt.

Vorab werden in Deutschland alle Zugverbindungen in einem gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren erstellt, genehmigt und abgestimmt. Deshalb können wir nicht schon Monate im Voraus Fahrplaninformationen geben und Tickets buchen. Da haben es die Fluggesellschaften etwas leichter – und nicht nur da: Der deutsche Steuerzahler subventioniert sie hoch. Während die Bahn als ökologisches Verkehrsmittel der größte Mineralöl- und Ökosteuerzahler des Landes ist, sind die Billigflieger von diesen Abgaben befreit.

Bei Flügen ins Ausland kommt noch hinzu, dass auf die Tickets der Billigflieger keine Mehrwertsteuer fällig wird, die ein Bahnkunde in vollem Umfang mit dem Kauf seiner Fahrkarte zu tragen hat. Wir haben das einmal ausgerechnet: Wer von Berlin nach München hin und zurück fliegt, spart 50 Euro Steuern.

Natürlich gönnen wir jedem eine preiswerte Urlaubsreise, aber die derzeitige Situation ist in höchstem Maße wettbewerbsverzerrend. Ein Gutachten eines unabhängigen Verkehrswissenschaftlers ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Preise der Billigflieger bis zu siebzig Prozent vom deutschen Steuerzahler subventioniert werden. Und trotzdem bietet die Bahn Rabattangebote und Aktionspreise an, die von den Kunden viel und gern genutzt werden. So fahren im Fernverkehr nur 17 Prozent unserer Fahrgäste zum vollen Preis.

Sie fragen: „Wozu brauche ich die Bahn?“ Ich bin überzeugt, dass wir alle die Bahn als ökologisch vernünftiges und ökonomisch hoch sinnvolles Verkehrsmittel brauchen.

In keinem Land gibt es ein derart enges Netz von Zügen, die in dichtem Takt die Metropolen mit den Regionen verbinden. Keine Bahn hat in den letzten Jahren so viel in moderne Züge, saubere Bahnhöfe und schnelle Strecken investiert wie die Deutsche Bahn – 85 Milliarden Euro seit 1994. Sicher ist manchmal das Flugzeug zwischen zwei Großstädten die billigere Alternative. Aber Menschen wollen nicht nur von Köln nach Berlin oder von Berlin nach Salzburg fahren, sondern auch von Bielefeld nach Braunschweig oder von Berlin nach Rathenow. Dazu brauchen wir die Bahn.

Sehr geehrter Herr Heinrich, ich würde mich freuen, wenn beim nächsten Mal Ihr „Weihnachtsengel“ ein Zug ist.

— Dr. Karl-Friedrich Rausch ist der Vorstand Personenverkehr der Deutschen Bahn AG.

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