Leserbriefe : Warum werden die Gefahren des Islam in Europa verharmlost?

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„Terroristenjagd in Holland“ vom 11. November 2004

Wir werden uns ebenso daran gewöhnen müssen, dass wir im eigenen Land nicht unsere Meinung sagen können, wie wir uns schon jetzt auf unsere Rolle als Schutzbefohlene Allahs vorbereiten sollten. Solche Taten wie die Ermordung Theo van Goghs sind nicht Folge einer verfehlten Integrationspolitik, nicht Folge sozialer Probleme und anderer materieller Faktoren, wie es jetzt in den Medien zu lesen und zu hören ist. Dies sind nur Randbedingungen. Der eigentliche Grund terroristischer Verbrechen liegt in der geistigen Disposition derer, die sie ausführen. Das Wesen dieser Disposition wird in unseren Medien politisch korrekt verschleiert. Sie wird nicht als das erkannt, was sie ist: als die Ideologie des Islam, die mit dem Ausdruck „Religion“ beschönigt und damit unter den Schutz unserer Grundrechte gestellt wird.

Zu diesem Zweck machen wir eine Unterscheidung in (guten) Islam und (bösen) Islamismus. Diese begriffliche Unterscheidung wird uns noch in große Schwierigkeiten bringen, weil wir dadurch nicht sehen, dass in unserer Mitte die nur graduell mehr oder weniger radikalen Anhänger einer Ideologie leben, in der das, was wir als Islamismus begrifflich ausgrenzen, zum essentiellen Bestandteil der Lehre gehört. Diese so genannte Religion bezieht sich auf einen Basistext, Koran genannt, in dem offen zu Handlungen aufgerufen wird, die nach unserer Werte- und Rechtsauffassung als Verbrechen bezeichnet werden müssen. Das geht, wie man weiß, vom Aufruf zur Tötung Andersdenkender bis zur Empfehlung an die männlichen Anhänger, ihre Frauen zu schlagen.

Das Gefährlichste an dieser Ideologie ist aber, dass sie ihre Anhänger dazu aufruft, die Andersdenkenden so lange zu bekämpfen, bis nur noch diese Ideologie auf der Welt herrscht. So etwas nennt man: Totalitarismus. Es geht also nicht um das Problem der Kopftücher, nicht um den „islamistischen“ Terror, es geht um den Islam selbst, um jene totalitäre Ideologie des Koran, die in einem abgestuften System von Imperativen als Minimum von allen ihren Anhängern den blinden Glauben an den jenseitigen Führer fordert und als Maximum von den Mutigen, die Andersdenkenden zu bekämpfen und gar zu töten (wofür es dann die höchste Belohnung gibt, die der göttliche Führer für seine Anhänger hat).

Das ist nicht zu beschönigen, wie es von Gutmenschen aller Art immer wieder versucht wird. Man kann es nachlesen: im Koran! Frei erhältlich im Buchhandel, frei propagierbar in unseren Moscheen und mittlerweile in unseren Schulen.

Ralph Bohn, Regisseur und Autor, Berlin-Kreuzberg

Sehr geehrter Herr Bohn,

weitgehend ausgeblendet wird die Geschichte des Islam: Es wird vergessen, dass der Islam eine Hochkultur mit weltweiter Dimension hervorgebracht hat, wie sie in dieser Form das christliche Abendland in nur wenigen Punkten erreicht hat. Nicht zur Kenntnis genommen wird eine Verfeinerung der Humanität in der Dichtung des Islam, vor allem in der persischen Dichtung und in der gesamten Mystik. Zwar lässt sich ein kultureller Niedergang der islamischen Welt nicht übersehen, gleichzeitig hat aber eine intensive geistige Auseinandersetzung in der islamischen Welt mit den wesentlichen Ideen Europas im 19. und im 20. Jahrhundert stattgefunden. Die Frankfurter Buchmesse hat dieses mit dem Schwerpunkt „Arabische Welt“ noch einmal sehr eindrücklich reflektiert.

Im Übrigen wird bei einer so pauschalisierenden negativen Betrachtungsweise des Islam, wie Sie sie vornehmen, der Eindruck erweckt, als hätte Gewalt in religiöser Dimension nur im islamischen Kulturkreis stattgefunden. Auch dies ist natürlich eine Ausblendung von Geschichte, denn Gewalttätigkeit im Namen der Religion hat das christliche Abendland in bestimmten historischen Epochen immer wieder an den Tag gelegt. Die größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind nicht in der islamischen Welt begangen worden, sondern im 20. Jahrhundert im Orbit des christlichen Abendlandes. Ganz ohne Zweifel kann nicht übersehen werden, dass der Koran Passagen enthält, die zur Gewalttätigkeit aufrufen, und unübersehbar werden sie auch von Terroristen und Mördern wie im Falle von van Gogh instrumentalisiert.

Dem steht indes die Tatsache gegenüber, dass der Koran an zahlreichen anderen Stellen zur Versöhnung und zu einem Miteinander von Religionen aufruft. Es ist also mit Blick auf das Verständnis des Terrorismus im Namen des Islam und auch mit Blick auf Verbrechen Einzelner mit Berufung auf den Koran (der Fall van Gogh) dazu aufzurufen, jede einzelne Missetat in ihrem jeweils individuellen Kontext zu be- bzw. zu verurteilen. Betrachtet man die islamische Gemeinde in Europa insgesamt, so helfen also nicht pauschalisierende Vorwürfe, sondern nur das Angebot eines umfassenden Dialogs zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen weiter. An diesem Punkt sind wir in Deutschland in den vergangenen Jahren ein gutes Stück vorangekommen.

— Prof. Dr. Udo Steinbach ist Direktor des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg.

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