Leserbriefe : Was in den Achtzigern geschah

„Streitbar für die Freiheit / Heinz Brandt kämpfte gegen Nazis und Stalinisten“

von Thomas Loy vom 15. Dezember

Ich habe dem Tagesspiegel entnommen, dass es in Berlin eine Heinz-Brandt- Schule gibt und an seinen 100. Geburtstag erinnert wird. Das freut mich sehr.

Ich selbst habe Heinz Brandt in Frankfurt am Main persönlich kennengelernt.

Als in Polen am 13. Dezember 1981 in der Nacht-und Nebel-Aktion „Kanarienvogel“ das Kriegsrecht ausgerufen wurde, um die Freiheitsbewegung der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc zu unterdrücken, schrieb Heinz Brandt in dem von mir und anderen Solidarnosc-Freunden herausgegebenen „Wendepunkt – Zeitschrift für internationale Demokratie“, den Artikel „Der Kanarienvogel im Völkergefängnis“: „Das Mindeste, was wir Verzagten, Ängstlichen, Mutlosen solidarisch für das heldenhafte polnische Volk tun können, ist: DIE WAHRHEIT SAGEN; statt beflissen zu beschwichtigen, damit Breschnew und Honecker ja nicht die Stirn runzeln.“ „Wer sich nicht bewegt, fühlt seine Fesseln nicht. Der Kanarienvogel hat nichts zu verlieren als seine Ketten; er hat eine Welt zu gewinnen. Und sollte sich herumsprechen, dass der Sieg in einem einzigen osteuropäischen Land schwer erreichbar ist, könnte im russischen Völkergefängnis die Idee aufkommen: Schafft drei, vier Polen! Es lebe das unabhängige demokratische Polen katholischer Nation!“

Ich erinnere mich auch gut an den 1. Mai 1982, als Heinz Brandt und ich im Frankfurter Gewerkschaftshaus in der Wilhelm-Leuschner-Straße in der zentralen Mai-Feier auftraten. Wir gingen auf die Bühne, um das Kriegsrecht zu verurteilen und die Gewerkschafter zur Solidarität mit der verfolgten Gewerkschaft Solidarnosc aufzufordern. Was geschah? Man entriss uns das Mikrofon und drängte uns vom Podium. Stattdessen verteidigte ein linker Universitätsprofessor aus Marburg den Militärputsch!

Florian Mausbach, Präsident i. R. des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Nationalpreisträger 2008,

Berlin-Gatow

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