Leserbriefe : Was ist mit den ungewollt Kinderlosen?

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Betrifft: „Kinderlose werden zahlen müssen“ vom 17. September 2003

Ich als 34Jähriger, Spätverheirateter, Kinderloser will es nicht mehr hören. Kinderlose kündigen den Generationenvertrag. Was wäre, wenn wir keinen Altersbaum, sondern immer noch eine Alterspyramide hätten?

Mehr benimmlose Rabauken, die Pisa versemmeln hätten können? Mehr nicht ausbildungsfähige Schulabgänger, die nicht Deutsch, Mathe oder Anstand kennen? Gäbe es denn adäquaten bezahlbaren Wohnraum für Großfamilien? Hätten die Eltern dieser Kinder die gut bezahlten Jobs? Hätten wir dann keine globalen Gesundschrumpfungswellen zu überstehen? Würden dann nicht fünf Millionen Menschen ohne Erwerbstätigkeit sein und deren Kinder wüssten niemals, was arm sein heißt?

Was wäre, wenn ich als Gutverdiener nicht konsumieren könnte? Nicht einen PC, eine DV-Camera, ein Multimedia-Entertainmentcenter kaufen könnte, ins Theater, Kino etc. gehen könnte, weil meine Kinder Obdach und Brot brauchen? Was wäre mit den Eltern, denen ich das Gehalt durch meinen Konsum mitbezahle?

Was ist mit den nicht wunschgemäß Kinderlosen? Die auf ihren Ohren stehen, um Kinder zu bekommen, aber dennoch kinderlos bleiben? Kündigen die diesen Vertrag auch? Oder wenn ich keine/n Partner/in finde, mit der/dem ich mir vorstellen kann, die Verantwortung „Kind“ zu tragen? Oder was ist mit Eltern, die zwar Kinder produzieren, sich aber nicht hinreichend um deren Wohl und Erziehung kümmern? Per se keine Vertragskündiger, aber dennoch sorgen sie nicht dafür, dass Rentenkassenzahlungen passieren können.

Kinder werden aus Egoismus gemacht, oder es wird sich aus Egoismus dagegen entschieden. Finde ich mein Glück in Kindern, bin ich auch bereit, dafür finanzielle Opfer zu bringen.

Deutschland ist nicht arm. Wir leisten uns Cargolifter, den Transrapid, um zwei Dörfer zu verbinden, TollCollect, subventionierte Rübenbauern und Kohlebergbau.

Carsten Recht, Berlin-Charlottenburg

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