Leserbriefe : Was können Rußfilter gegen Feinstaubwolken ausrichten?

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„Staub in der Luft: In Großstädten drohen Fahrverbote“ vom 27./28. März, „Feinstaub im Getriebe“ vom 30. März und „Bund will Dieselrußfilter fördern – Länder fürchten Kosten“ vom 31. März 2005

Wenn es um Feinstaub geht, wird inzwischen reflexhaft fast nur noch das Thema Dieselrußfilter gewälzt. Das ist aber weniger als die halbe Lösung.

So heißt es z.B. im „Luftreinhalteplan RheinMain“, dass Reifen-, Asphalt- und Bremsabrieb ebenso viel Feinstaub emittieren wie die derzeitige Kfz-Flotte aus den Auspuffrohren. Zudem werde der Staub durch den Autoverkehr immer wieder aufgewirbelt. Gegen diese systembedingte Schwäche des motorisierten Individualverkehrs hilft kein Herumdoktern am Auspuff; vielmehr müssen die Individualkraftfahrzeuge aus dem Verkehr gefiltert werden. Speziell der Staub aus Reifenabrieb ist zudem Krebs erregend.

Im Übrigen ist es eines, was Katalysatoren und Rußfilter unter den Laborbedingungen der Kfz-Typzulassung erreichen, und etwas anderes, was im Alltagsbetrieb aus dem Auspuff kommt. BMW hat gegenüber der Zeitschrift „Das Motorrad“ eingestanden, dass Kat-Elektronik erkennt, wenn das Fahrzeug entsprechend dem gesetzlichen Prüfzyklus gefahren wird und nur dann auf bestmögliche Abgasreinigung schaltet. Die im Stadtverkehr etwa alle 500 Kilometer nötige, zirka fünfminütige Freibrennphase von Rußfiltern, verbunden mit starkem Schadstoffausstoß, wird im Prüfzyklus nicht erfasst. Ebenso wenig wie die Krebs erregenden Keramikfasern, die sich aus den Abgaskatalysatoren nach und nach lösen.

Markus Schmidt, Frankfurt am Main

Sehr geehrter Herr Schmidt,

ganz zu Recht weisen Sie darauf hin, dass der Verkehr noch weitere Quellen des gefährlichen Feinstaubs birgt als alleine den Auspuff ungefilterter Dieselfahrzeuge: Ein Fünftel der gesamten Feinstaubbelastung kommt zum Beispiel alleine dadurch zustande, dass Autos und Lkw den Straßenstaub permanent aufwirbeln und durch den Abrieb der Reifen. Tatsächlich aber tragen die Rußemissionen ungefilterter Fahrzeuge ganz wesentlich zum Feinstaub in der Atemluft bei – in Berlin genau doppelt so stark wie der Reifenabrieb.

Und ich gebe Ihnen Recht, dass die Kommunen alles unternehmen müssen, um den Anteil des öffentlichen Personennahverkehrs und des Fahrradverkehrs am Verkehrsgeschehen sprunghaft auszubauen; doch dort, wo schon heute hocheffektive Technologien vorhanden sind, mit denen wir die zentrale Quelle des Feinstaubs, den Dieselruß, praktisch vollständig ausschalten können, müssen wir sie auch einsetzen.

Während Millionen Autofahrer sich im besten Glauben bewusst für ein Dieselfahrzeug entschieden haben, um Sprit zu sparen und dabei von der Autoindustrie stets in Sicherheit gewogen wurden, zum Umweltschutz beizutragen, erhielten sie in Wahrheit Rußschleudern ohne Filter ausgeliefert, Fahrzeuge also, die dazu beitragen, Mitmenschen zu gefährden.

Und die Blockierer des Dieselrußfilters meinen es ernst: Seit Jahren beobachten wir ein systematisches Verweigerungskartell der Deutschen Automobilindustrie bei der Einführung des Partikelfilters. Unter Führung der Volkswagen AG wurden etwa innermotorische Lösungen propagiert, die bis heute nicht existieren. Allen Diskussionen um eine steuerliche Förderung des Rußfilters begegneten sie mit Protektionismus, Abwehr und massiver Lobbyarbeit.

Mit zweifelhaftem Nutzen: Während der französische PSA-Konzern (Peugeot, Citroen) schon einige hunderttausend Fahrzeuge mit Partikelfilter verkauft hat, fahren VW und Co. nun Verluste ein: Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der FH Gelsenkirchen, rechnet laut einer noch unveröffentlichten Studie damit, dass „bis zu 30 000 Dieselfahrzeug-Verkäufe in den nächsten Monaten nach hinten geschoben“ würden. Damit entsteht der Autoindustrie erheblicher Schaden durch ihre Strategie, Rußfilter nur als Sonderausstattung und dies auch nicht für alle Modelle anzubieten.

Wir können das Problem lösen, sobald Hans Eichel und einige Bundesländer ihren Widerstand gegen die steuerliche Förderung des Rußfilters aufgeben. Ihre Sorge, dass sich auch die Rußvollfilter im Fahrbetrieb abschalten könnten, nehme ich Ihnen gerne ab: Sie sind in allen üblichen Betriebszuständen höchst zuverlässig und filtern erfreulicherweise praktisch einhundert Prozent der gefährlichen Partikel aus.

Mit Ihrem Hinweis aber, dass die Autoindustrie jetzt Katalysatoren einbaut, die ihre Abgasreinigungen nur in den Prüfzyklen erfüllen, sich aber jenseits der Prüfzyklen von selbst ausschalten, legen Sie den Finger auf die Wunde eines der größten Skandale der Automobilwirtschaft. Seien Sie versichert, dass die Deutsche Umwelthilfe sich diesem neuerlichen schmutzigen Trick zulasten der Umwelt in angemessener Weise widmen wird.

Mit freundlichen Grüßen

— Stefan Bundscherer, Geschäftsführer und Energieexperte der Deutschen Umwelthilfe.

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