Leserbriefe : Was Recht und was gerecht ist

„Klar ist frei und kommt nach Berlin /

Wowereit gegen Praktikum am Berliner

Ensemble“ vom 20. Dezember

Ja, der Rechtsstaat muss wohl damit leben, einen reuelosen Mehrfachmörder wieder in Freiheit zu setzen, wenn verschiedene Instanzen meinen, von ihm ginge keine Gefahr mehr aus. Aber muss der Berliner Steuerzahler hinnehmen, dass der Intendant eines staatlich subventionierten Theaters Bewerbungen um einen Praktikantenplatz unberücksichtigt lässt, um eben jenem reuelosen Mehrfachmörder eine Chance zu geben, die eigentlich andere in einem gerechten Auswahlverfahren verdient hätten? Herr Peymann soll die Vergütung für Christian Klar aus eigener Tasche zahlen, wenn es ihm ein Bedürfnis ist, aber bitte nicht das eigene politische Gewissen zu Lasten staatlicher Gelder beruhigen.

Detlev Stoecker, Berlin-Mitte

Vorab: ich bin für die Freilassung Lebenslänglicher nach einer angemessenen Zeit, wenn nach Menschenermessen keine Gefahr mehr von ihnen ausgeht. Und ich bin dafür, dass sie mit einer menschenwürdigen Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen können. Aber ein Angebot an einen grausamen Killer von einem renommierten Intendanten eines renommierten Theaters für eine egal wie dotierte Stelle klingt für mich wie spätes Adeln oder Veredeln seiner Taten.

Ist er doch kein übler Killer, sondern ein Töter aus edlen, wenn auch verwirrten Motiven? Oder bietet Herr P. jedem Mörder eine seiner Stellen an? Wie viele Techniker-Bewerbungen hat Herr P. vorliegen und nach welchen Kriterien entscheidet er den Zuschlag? Müssen es wenigstens sechs nachgewiesene Morde sein, oder ist es die Zahl der verbüßten Jahre, darf der Täter auf keinen Fall geständig oder gar reuig sein oder muss er wenigstens eine – wenn auch verquaste – Ideologie vorweisen? Muss die verquaste Ideologie aus der linken Ecke kommen oder darf es auch mal eine andere Himmelsrichtung sein? Ja, diese Fragen bewegen mich und da ich fürchte, auch durch einen Besuch des Berliner Ensembles keine Antwort zu bekommen, werde ich wohl auf absehbare Zeit auf einen solchen verzichten. Übrigens hätte ich nichts dagegen, wenn Herr Klar in einer staatlich subventionierten Einrichtung arbeitet. Wie wäre es z. B. als Begleiter von Demenzkranken? Ich hoffe nur, dass nicht die jetzigen Begleiter aufschreien.

Dietrich Koch, Berlin-Buckow

„Lebenslang“ ist bei Juristen ein variabler Begriff. Zurzeit bedeutet „lebenslang“, statistisch gesehen, etwa 17 Jahre. Man beachte aber die Logik, wenn jemand mehrere Morde begangen hat. Zum Beispiel erhielt der RAF-Terrorist Christian Klar mehrfach lebenslänglich. Neun mal lebenslänglich ist nicht etwa 9 mal 17 Jahre = 153 Jahre , sondern nach Juristen-Logik ist 9 mal 17 = nur 26 Jahre! Ein mehrfacher Mörder erhält also einen ordentlichen Rabatt. Leider können die Mordopfer keinen Rabatt mehr aus aushandeln, denn sie sind und bleiben tot!

Reinhold Damm,

Berlin-Charlottenburg

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