Leserbriefe : „Weber“ passen nicht in die Gegenwart

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„Die armen Weber“ vom 25. November und „Verbot der Dresdner ,Weber’ bleibt“ vom 26. November 2004

Herr Schaper beklagt wilhelminische Zensur, weil der Verlag Bloch Erben gegen die verfälschende Dresdner Aufführung der „Weber“ vorgeht. Die Freiheit der Kunst wäre in Gefahr.

Nun waren die „Weber“ schon zur Zeit der Uraufführung als Gegenwartsbeschreibung überholt. Der unverdächtige Kronzeuge für diese Behauptung ist Eduard Bernstein. Beleidigungen eines heutigen Ministerpräsidenten und Mordgelüste gegen eine heutige Fernsehmoderatorin machen daraus nun erst recht kein Gegenwartsstück. Der üblich gewordene Missbrauch alter Stücke durch die Regisseure betrügt die Zuschauer doppelt: Sie erfahren hier nichts Authentisches über den Frühkapitalismus und sie erfahren nichts Aufklärendes über ihre Gegenwart. Deswegen handelt der Verlag Bloch Erben völlig richtig. Es ist ein Armutszeugnis für das Dresdner Theater und das Publikum, dass auf diese Weise mit Erfolg geworben werden kann. Wo sind die Autoren, die endlich Stücke schreiben, die unsere Gegenwart beschreiben? Stoffe gibt es doch nun wirklich genug.

Dr. Kurt Lubasch, Berlin-Schmargendorf

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