Leserbriefe : Weder Luxustussis noch Heimchen am Herd

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„30 Jahre ,Emma‘“ von Angela Elis vom 17. Dezember

Herzlichen Dank für diesen erfrischenden Artikel. Endlich wurde das einmal gesagt. Besonders schön ist es, einen solchen Beitrag zur wahren Geschichte des Lebens in der DDR im Tagesspiegel lesen zu können. Bitte weiter so.

Petra Dohmke, Berlin-Marzahn

Herzlichen Glückwunsch an Frau Elis für diesen tollen Artikel. Aus meiner männlichen Sicht mit Westbiografie, gemischt ab 1990 mit Osterfahrung, wäre nur zu ergänzen, dass es der DDR für das Berufsleben der Frauen sicher besser gelungen ist die Chancengleichheit herzustellen als der Bundesrepublik. Stichwort: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Nach meinen Beobachtungen und vielen Gesprächen mit "Ost-" Mitarbeiterinnen hat die DDR dieses jedoch nicht für den außerberuflichen Teil des Lebens geschafft, die Frauen hatten hier die Doppelbelastung von Hausfrau und Arbeit, weil die Männer zu einem höheren Prozentsatz sich machohaft verhalten haben als im "Westen". Dieses machohafte Verhalten der "Ost-" Männer war jedoch nach meiner Beobachtung sehr vom Bildungsgrad abhängig. Hier zeigten für die Bundesrepublik Alice Schwarzer u.a. durchaus Wirkung.

Klaus Kiesler, Berlin-Frohnau

Heil Dir, oh DDR! Wie hast du dich festgekrallt in den Köpfen derer, die das Privileg hatten, deine beglückende Sozialisation zu erfahren! Selten erleben wir das so ehrlich und in Reinkultur wie in dem Artikel von Frau Elis!

Das war Klassenkampf „at it’s best“. Man nehme: eine allein selig machende Position, diskreditiere den „Gegner“ – hier die nicht berufstätige Mutter – so gut es geht und bediene sich dabei möglichst aller Vorurteile, derer man habhaft werden kann. Gewürzt mit einer guten Portion realitätsverlorener Ostalgie ergibt das einen Artikel, der an Plattheit nicht zu übertreffen ist.

Die Autorin spricht von den Segnungen der berufstätigen Frau des Ostens. Was meinen Sie: Wie viel Befriedigung hat damals eine verhinderte Ärztin aus der Wertschätzung einer Gesellschaft gezogen, die sie wegen mangelnder politischer Anpassung an die Werkbank geschickt hat? Wie glücklich und unabhängig waren die Menschen in Ehen, die wegen des Wunsches nach einer eigenen Wohnung geschlossen wurden? Ich bin dankbar, dass ich in einer Gesellschaft lebe, in der ich mich selbst entscheiden kann, ob ich Ärztin, Industriearbeiterin oder eben hauptberuflich Mutter sein will – und nicht die Partei. Dass Frauen, die sich bewusst für ein Leben mit ihren Kindern entscheiden, weder Luxustussis noch Heimchen am Herd sind, sondern Frauen, die sich wie wenige andere in die Gesellschaft einbringen – dazu noch unentgeltlich und – wie wir lesen konnten – ohne jede soziale Anerkennung, passt nicht in Ihr Weltbild. Wachen Sie auf, Frau Elis. Kommen Sie an in einer pluralistischen Gesellschaft, die von der Vielfalt dessen lebt, was jede Einzelne auf ihre Weise leistet.

Bettina Speckter, Berlin-Dahlem

Sicherlich kann Mann und auch Frau über die Zeitschrift „Emma“ geteilter Meinung sein. Aber eine ebenso undifferenzierte wie klischeebehaftete Abhandlung, wie sie Angela Elis zum 30. Geburtstages der „Emma“ verfasst hat, haben die MacherInnen von „Emma“ nun wirklich nicht verdient. Was dieser Artikel überhaupt mit dem 30. Geburtstag der „Emma“ zu tun haben sollte, hat sich mir nicht erschlossen, denn alles drehte sich nur um die etwas eingeschränkte Welt und Wahrnehmung der Autorin.

Da kann ich nur eines empfehlen, liebe Frau Elis: Folgen Sie Ihrer Tante nach Amerika und „beglücken“ Sie dort die Menschen mit Ihrer Schreiberei.

Sabine Bangert, Berlin-Britz

Dass „Ostfrauen“ generell mit dem Begriff Feminismus nichts anfangen können oder konnten, wage ich zu bezweifeln. Dass Frau Elis dies nicht kann, macht ihr Artikel auf peinliche Weise klar. Aber das verwundert nicht, wenn jemand das Leben in einer Diktatur auf so verzerrte und verniedlichende Weise schildert und einen Walter Ulbricht als Macho bezeichnet, der auch nette Sachen über Frauen sagen konnte.

Der Artikel zeigt mit jeder Zeile, wie jemand Ideologie umgesetzt hat, die in frühester Kindheit eingetrichtert wurde. Auch zeigt sich, wie sehr sich Ideologien manchmal passgenau ineinanderschieben lassen. Das Arbeitsweibchen des Ostens kann auch unter kapitalistischen Ideologiekriterien seine Tüchtigkeit beweisen. Dabei wird gleich mit dem Finger auf Drückeberger gezeigt (Menschen etwa, die ihre Existenzberechtigung und ihren Lebenssinn nicht nur darin sehen eine „Arbeitskraft“ zu sein).

Wie auch immer, Nostalgie, Feminismus, Hartz IV, „junge Menschen“ mit „null Bock“ und Appelle an die „Wessis in den Chefetagen“, Frau Elis würfelt alles durcheinander und verbreitet damit „lebensnahen Optimismus“.

Fazit nach Lektüre ist die Parole für Frauen: Maloche, gebäre und jammere nie! Eine echte Perspektive. Danke Frau Elis.

Sabine Riehl, Berlin-Charlottenburg

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