Leserbriefe : Wen der Muezzin ruft

„Lehrerfortbildung in Scharia / Schulverwaltung legt einen ersten Entwurf zum Umgang mit muslimischen Schülern vor – auch Fundamentalisten geben Rat“ von Susanne Vieth-Entus und „Gebote und Gesetze“ von Malte Lehming vom 6. August 2008

Immer wieder zeigt sich in den letzten Jahren die Hilflosigkeit des Staates und in diesem Falle des Landes Berlin bei der Definition des Verhältnisses von staatlichen Organisationen zum Glauben unserer muslimischen Mitbürger. Der jetzt vorliegende Entwurf, der eine Orientierungshilfe für Lehrer – also Staatsdiener – darstellen soll, scheint diesbezüglich ein Offenbarungseid zu sein, wenn dort ein erzkonservativer Geistlicher wie Ferid Heider mit fast zehn Prozent Gewichtung zu Wort kommt.

Haben Senat und Verwaltung vergessen, dass dieser unser Staat säkulär ist? Dass regelmäßige Gebetszeiten und Gebetsräume und Befolgung religiöser Sonderwünsche an staatlichen Schulen und sonstigen Institutionen nichts zu suchen haben, sondern nur in der Freizeit? Denn gerade dies erwarte ich von einem Senat, der zurzeit Ethikunterricht als Abgrenzung zum Religionsunterricht in Schulen durchsetzen möchte. In diesem Zusammenhang führt der auf Ihrer Meinungsseite zu o. g. Bericht veröffentlichte Kommentar völlig am Thema vorbei. Natürlich kann ein Geistlicher jeglicher Religion jederzeit die Gesetze Gottes über alles stellen. Aber gerade der Staat sollte dies eben nicht tun, und sollte das auch keinesfalls in einem Leitfaden für Lehrer im Umgang mit Schülern gleich welcher Religion vorgeben. Das hat der Autor leider offensichtlich genauso wenig verstanden wie die Schulverwaltung.

Jenny Wieland, Berlin-Moabit

Neben der mittlerweile bekannten Argumentation von islamistischen Fundamentalisten, ist es die offensichtliche Tölpelei von Beamten der Berliner Senatsschulverwaltung, die meinen Ärger hervorruft. Sind diese Damen und Herren von den sich stets wiederholenden, inhaltsleeren und dogmatischen Floskeln der Personen mit islamistischem Hintergrund, die sich als Fürsprecher von Muslimen aufführen und darüber versuchen, Einflussnahme in Richtung Strukturänderung unserer Gesellschaftsform zu nehmen, mittlerweile in eine Art Trance geredet worden?

Erstaunlich, dass diese Damen und Herren der Senatsschulverwaltung solche Aussagen unkommentiert „durchreichen“. Sie öffnen damit Einfallstore für eine feindliche Gesinnung – anders kann man das nicht nennen. Die entsprechenden Kommentare von Frau Ates und Frau Kelek, die klar den Hintergrund dieser islamistischen Geisteshaltung beleuchten, sollten auch der besagten Senatsverwaltung eigentlich bekannt sein.

Dr. Wolfgang Glitscher,

Berlin-Schöneberg

Den Lehrerinnen und Lehrern, mit denen ich zum Islam arbeite, fehlt in der Regel nicht das Wissen. Ihr Problem ist vielmehr sehr häufig, dass sie als Pädagogen im öffentlichen Auftrag das Grundgesetz und das Schulgesetz als Basis ihres Handelns und Entscheidens voraussetzen wollen, dann aber erleben müssen, dass ihnen von übergeordneter Stelle wegen eines vorauseilenden Toleranzbedürfnisses keine Rückendeckung gegeben wird. Hilfreich wäre deshalb, wenn etwa eine der beliebten Ausführungsverordnungen klar umreißen würde, welcher Spielraum bei der Auslegung dieser Gesetze zulässig ist und welche Ansprechpartner die Kolleginnen im Konfliktfall entlasten könnten. Ansonsten werden als hilfreiche Kenntnisse in der Regel solche Informationen benannt, die zeigen, dass der Islam sehr vielgestaltig ist, dass es konservative und liberale Muslime gibt, aber auch säkulare, humanistische und sogar atheistische, und dass es nicht die Aufgabe des Lehrers ist zu entscheiden, welches der richtige Islam ist, sondern im Bedarfsfall dafür zu sorgen, dass diese Vielschichtigkeit in der Schule erkennbar bleibt und nicht durch die Dominanz einzelner Aktivisten verschüttet wird. Wenn die Handreichung dieses deutlich machen würde, wäre sie möglicherweise brauchbar. Die Querelen um die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe lassen das allerdings nicht erwarten. Wenn etwas im Ansatz schon falsch war, wird am Ende genau das offenkundig.

Klaus Eberl, Berlin-Marienfelde

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