Leserbriefe : Wenn es ums Geld geht, gibt es kein Unrecht

„Prüfung beendet – Behörden kaufen Steuersünder-CD / NRW-Finanzminister: Machen uns nicht strafbar / FDP-Politiker widerspricht / Anzeige gegen Merkel“

von Armin Lehmann vom 5. Februar

Warum eigentlich rücken die Schweizer Banken nicht freiwillig mit den Unterlagen über deutsche Steuersünder heraus? Diese Frage beantwortet sich natürlich von selbst: Weil sich die vom eidgenössischen Bankgeheimnis gepanzerten Geldinstitute eine goldene Nase an den deutschen Steuersündern verdienen, mithin auch der Schweizer Fiskus.

Wolf P. Prange, Berlin-Dahlem

Man stelle sich vor, ein Kunstdieb bricht in die St. Petersburger Erimitage ein, stiehlt ein von der Roten Armee erbeutetes Kunstwerk und bietet es Frau Merkel zum Kauf an. Kauft Sie es? Und wenn ja, wie erklärt sie dies Medwedew? Es ist und bleibt Hehlerei.

Carsten Grauel, Berlin-Zehlendorf

Vor einigen Jahren wurde einem Kindesentführer Folter angedroht, falls er das Versteck des Kindes nicht preisgibt. Es geschah aus der verzweifelten Hoffnung, das Kind noch lebend zu finden. Die Folterandrohung war nicht rechtmäßig. Es gab kein „Aber“, und es folgten Prozesse und Strafe gegen den betreffenden Beamten. Jetzt geht es darum, unrechtmäßig an Daten von Steuerhinterziehern zu gelangen. Damals ging es um das Leben eines Menschen. Heute geht es nur um Geld, aber der Staat greift zu, auch wenn es Unrecht ist. Und das ist ganz genau ein Motiv der Steuerhinterzieher: Wenn es ums Geld geht, gibt es kein Unrecht. Da passt das Sprichwort: Wie der Herr so sein Gescherr.

Christiane Dresen, Berlin-Neukölln

Im Zusammenhang mit der Bankdaten-CD fiel meiner schottischen Frau ganz spontan ein Spruch ein, den sie als Kind gelernt hat: „It takes a thief to catch a thief“. Wir sollten solche alten, oft durchaus juristischen Erfahrungsweisheiten auch heute noch im täglichen privaten, geschäftlichen und politischen Leben ernst nehmen und befolgen – weil das etwas mit Bildung und Werten und der Erziehung dazu zu tun hat – besonders bei der moralischen Einschätzung dessen, was da im Augenblick passiert. Nicht immer nur schön kühl römisch und ökonomisch, sondern ab und zu warmer Sachsenspiegel. Dann fällt es nicht schwer, die richtige Entscheidung zu fällen: Kaufen. Es gibt keine reine Lehre, schon gar nicht, wenn Werte und Moral sowieso andauernd verhandelbar sind.

Erich Roth, Berlin-Lichtenrade

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