Leserbriefe : Wenn man Glück hat, akzeptieren Kinder Früchtequark

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„Hunger nach Liebe!“ von Richard Schröder vom 30. Dezember und

„Viele Kinder gehen ohne Frühstück in die Schule“ vom 24. Dezember

Mit seinem Kommentar hat Richard Schröder Satz für Satz den Nagel auf den Kopf getroffen. Alarmierend, wenn auch nicht ganz neu, ist natürlich die Nachricht, dass so viele Kinder ohne Frühstück in die Schule gehen, und zwar keineswegs nur Kinder aus der Unterschicht. Unbegreiflich ist aber auch die in der Weihnachtsausgabe zitierte Stellungnahme der Vorsitzenden des Bundeselternrates, Anja Ziegon, die davor „warnte“, das Problem bei den Eltern abzuladen, noch dazu mit der Begründung, dass gerade bei Schlechtverdienenden beide Eltern arbeiten und häufig schon vor den Kindern aus dem Haus gehen … Als erschreckend empfinde ich, welches Verständnis der Elternrolle die oberste Elternvertreterin unseres Landes da offenbart.

Dr. Michael Jenne, Berlin-Wannsee

Meistens bin ich Richard Schröders Meinung, aber diesmal muss ich mich wehren. Rabeneltern sind es, die ihren Kindern morgens eine Tasse Milch oder Kräutertee und eine Scheibe Brot verwehren. Kennen Sie wirklich Kinder, die das möchten? Ich hätte mich gefreut, meinen Kindern ein gemütliches Frühstück und ein gesundes Pausenbrot anzubieten. Dazu gehören aber zwei!

Da die Schule um 8 Uhr anfängt, müsste man die Kinder mit eiserner Faust um 5 Uhr unter eine eiskalte Dusche halten, damit sie um 6 Uhr am Frühstückstisch bei Müsli und Rührei sitzen und um 7 Uhr im öffentlichen Verkehrsmittel Richtung Schule. Stattdessen versucht man nach vergeblichen Weckversuchen um 7 Uhr 30 unter Missachtung aller Verkehrsregeln den verpassten Bus zu überholen. Als „Pausenbrot“ wird ja auch nur akzeptiert, was gerade „in“ ist. Wenn man Glück hat, ist es Früchtequark. Das Kind, das die altgedienten Stullen mit Wurst oder Käse mit hat, muss sich doch nur anhören: „Eih Alter, das soll deine Mutter doch alleine fressen.“ Ein Frühstück in den Schulen hilft da auch nichts, solange die Kinder es nicht akzeptieren.

Barbara Saß-Viehweger,

Berlin-Lankwitz

Was für ein Skandal! Kinder ohne Frühstück in der Schule! Eine Entdeckung so kurz vor Weihnachten. Also, auf den Gabentisch wohlfeile Geschenke von der kostenlosen Frühstücksbeköstigung in der Schule, damit die Kinder besser denken können, bis hin zur vollständigen Übernahme aller Erziehungsfunktionen von den gestressten, überforderten und (neu entdeckt) verarmten Eltern durch die Schule. Das passt doch zum Fest! Oder?

Die Sozialpopulisten sind wieder schnell zur Stelle. Der Staat soll regeln und bezahlen, was Eltern nicht vermögen. Nicht vermögen? Eltern können Kinder nicht mehr erziehen? Die haben kein Geld und keine Zeit? Wo oder wie leben wir denn in diesem Lande?

Es geht in der Sache doch nicht nur um das fehlende Frühstück, dass für die Konzentration in der Schule wohl erforderlich ist, sondern viel mehr um die damit verbundene allgemeine Verwahrlosung von Kindern und Jugendlichen infolge fehlender Zuwendung der Eltern – die nicht nur bei sogenannten Armen, sondern in allen Schichten festzustellen ist!

Wenn wir in Deutschland schätzungsweise 20 bis 30 Prozent Schulabgänger haben, die für eine qualifizierte Berufsausbildung nicht geeignet sind, hat das sicherlich mehrere Ursachen. Die entscheidende Ursache ist jedoch die unzureichende Erziehung in der Familie, die weder der Staat noch die Schule kompensieren können. Deshalb dürfen wir nicht Eltern aus ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kindern entlassen. Erziehung muss früh einsetzen und sie muss immer das Ziel zur Selbstdisziplin haben. Gesunde Ernährung gehört dazu – nicht Rauchen, nicht Drogen, nicht Alkohol. Das Fundament dafür wird in der Familie gelegt. Die Schule muss auf diesen Fundament aufbauen können, sonst ist sie überfordert. Da helfen keine staatlichen Programme – auch keine Ganztagsschule, so sinnvoll deren Ausbau in Deutschland aus anderen Gründen auch ist.

Wo Zuwendung und Liebe zu den Kindern in einer Familie fehlen, versagen alle Instrumente zur Entwicklung von Lebensfähigkeit bei jungen Menschen. Das kann ein humanes Gemeinwesen nicht dulden – aus eigenem Interesse und Bedürfnis heraus und im Interesse der jungen Menschen.

Es ist ein Skandal mit dem fehlenden Frühstück. Es ist aber auch ein Skandal, wie solche Erscheinungen in diesem Lande immer wieder ideologisch missbraucht werden und damit einer Bewältigung entgegengewirkt wird.

Walter Reiner Reichenbach,

Müncheberg

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