Leserbriefe : Wie muss man mit Ahmadinedschad umgehen?

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Foto: Promo

Zu Ahmadinedschads Rede

bei der UN-Antirassismuskonferenz

Irans Präsident Ahmadinedschad hat die Antirassismuskonferenz als Forum für seine Hetze genutzt. Anderes war von diesem Mann auch nicht zu erwarten, seit seinem Amtsantritt hetzt er bei jeder sich bietenden Gelegenheit öffentlich gegen Israel. Er hat auch oft genug gezeigt, dass ihm die Meinung der anderen Staaten herzlich egal ist.

Auf solche Menschen kann man nur schwer Einfluss nehmen. Das Problem ist, dass dieser Mann gefährlich ist - nicht nur für Israel, sondern für die ganze Welt. Und die steht ihm anscheinend hilflos gegenüber. Was passiert, wenn Ahmadinedschad erst über Atomwaffen verfügt?

Stefan Hensel, Berlin-Charlottenburg

Mit Boykott überläßt man nur anderen die öffentliche Bühne. Das zeigte sich bereits am Eröffnungstag der Konferenz mit den verbalen Attacken von Irans Präsident Mahmut Ahmadinedschad gegen Israel. Aber genau das war zu erwarten. Was hier einige europäische Staaten und insbesondere Deutschland, die sich erst im letzten Augenblick für eine Absage entscheiden konnten, betrieben haben, ist eine Angsthasenpolitik. Hieß es doch im Mai 2008 im Bundestag - anläßlich des 60jährigen Bestehens des Staates Israel - noch: "Wir werden immer an der Seite Israels stehen." Wo hätte man das besser beweisen können, als bei der Anti-Rassismus-Konferenz der Vereinten Nationen in Genf? Frankreich und Großbritannien haben mit ihrer Teilnahme jedenfalls die Wichtigkeit dieser Konferenz erkannt und sie nicht per se als Anti-Israel-Konferenz abgetan. Fazit: Deutschland kneift, die EU ist uneins und die UN sind mit diesem Forumskonzept endgültig gescheitert.

Dr. Hans-Dieter Seul, Berlin-Lichterfelde

Sehr geehrter Herr Hensel,

Sehr geehrter Herr Seul,

ausgerechnet der iranische Präsident – ein notorischer Holocaustleugner, der wiederholt zur Vernichtung Israels aufgerufen hat - bekam die Gelegenheit, die „Antirassismuskonferenz“ in Genf zu eröffnen. Einem Herrscher, der die Verfolgung von Minderheiten in seinem Land zur Politik gemacht hat, wurde so auf einer internationalen UN-Veranstaltung eine Plattform geboten. Wie zu erwarten war, hat Ahmadinedschad die Agenda der Konferenz als Geisel genommen und das ihm gebotene Forum für seine hetzerische Israel-Kritik missbraucht.

Eine solche hasserfüllte, extremistische und verleumderische Ansprache wie die des iranischen Präsidenten ist wohl kaum geeignet, zum Kampf gegen den Rassismus beizutragen. Für Israel wiegt diese Angelegenheit umso schwerer, da sie sich am Vorabend des israelischen Holocaust-Gedenktags ereignete, an dem wir an die sechs Millionen Opfer des Holocaust erinnern.

Mit dem Boykott der Konferenz haben einige Staaten, darunter auch Deutschland, dankenswerterweise einen eindeutigen moralischen Standpunkt eingenommen. Sie haben sich nicht als Kulisse für die antiisraelischen Tiraden Ahmadinedschads instrumentalisieren lassen und durch ihr Fernbleiben von der Konferenz auch dazu beigetragen, den Worten der Eröffnungsrede den Eindruck der Legitimation zu nehmen.

Mit Blick auf die Ereignisse von Genf müssen wir eines immer wieder betonen: Die oberste Verpflichtung des Staates Israel ist es, den Holocaust-Leugnern nicht zu gestatten, einen weiteren Holocaust zu verüben. Wir müssen das Gewissen der Nationen aufrütteln und Bündnisse schließen. Vor allem aber müssen wir uns daran erinnern, dass die Fähigkeit zur Abwehr der Bedrohungen für die Existenz unseres Volkes von der Stärke unseres Staates herrührt.

Israel ist beim Thema Iran sehr sensibel. Seit der Pogromnacht sind erst 70 Jahre vergangen und erneut gibt es einen politischen Führer, der in hohem Maß antisemitisch ist. Präsident Ahmadinedschad ist der Meinung, dass Israel von der Landkarte verschwinden soll. Und wir denken, dass er meint, was er sagt. Wir haben unsere Lehren aus der Geschichte gezogen und können es uns nicht leisten, gleichgültig zu sein, falsche Hoffnungen zu haben oder die Gefahr zu ignorieren.

Die Frage des Umgangs mit dem Iran sollte die gesamte internationale Gemeinschaft beschäftigen, denn die fatale Verquickung von fundamentalistischer Ideologie, dem Streben nach atomarer Bewaffnung und einer aggressiven Rhetorik des Hasses birgt enorme Gefahren für die globale Sicherheit. Iranische Atomwaffen lösen dabei ebenso ein Bedrohungsszenario aus wie die Tatsache, dass der Iran dabei ist, Langstreckenraketen zu entwickeln, die auch London oder Berlin erreichen könnten.

Der destruktive Einfluss Irans auf die Situation im Nahen Osten ist bereits heute deutlich spürbar. So unterstützt das Regime die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen und die Terroristen der Hisbollah im Libanon. Der Besitz der Atombombe würde es Iran ermöglichen, jegliche Entwicklungen in Richtung eines Friedens in der Region zu torpedieren und die moderaten arabischen Staaten zu destabilisieren. Das muss die internationale Gemeinschaft verhindern.

Mit freundlichen Grüßen

— Yoram Ben-Zeev,

Botschafter des Staates Israel

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