Leserbriefe : Wie sinnvoll ist das Betreuungsgeld?

Zur Berichterstattung und Diskussion über das geplante Betreuungsgeld

Sehr geehrte Damen und Herren!

Zu Ihrem Artikel fällt mir als Mutter nur folgendes ein:

Herzlichen Glückwunsch an die neue Regierung!!! Schön, dass es 150 Euro mehr für die Familien gibt, die Kinder im Alter unter drei Jahren zu Hause betreuen. Damit werden die sozial benachteiligten Kinder der deutschen und gerade der ausländischen Bevölkerung schön ruhig gestellt. Die Eltern aus den sozial besser gestellten Bezirken könnten - wie schon in der Vergangenheit - weiterhin dieses Geld in marode Kindertagesstätten und renovierungsbedürftige Schulen stecken; frei nach dem Motto: Malern statt Mathe!

Und Herr Buschkowsky ist noch mehr mit der Integrationspolitik in seinem Bezirk beschäftigt, dann kann er wenigstens den anderen Regierungsvertretern mit seinen sehr vernünftigen Konzepten nicht auf die Nerven gehen. Völlig hirnverbrannt!

Das Geld gehört in die Bildungspolitik!!!! Soviel tun wir für unsere Kinder, unsere Zukunft? Beschämend für ein so reiches Land. Was schlechte Bildungspolitik für Auswirkungen beispielsweise auf das Erlernen von Fremdsprachen hat, sieht man an unserem neuen Außenminister. De nihilo nihil! Ut sementem feceris, ita metes!

Mit freundlichen Grüßen

Michaela Häusler, Berlin-Lichterfelde

Sehr geehrte Frau Häusler,

das Geld gehört in die Bildung! Mit diesem Tenor wenden Sie sich gegen das geplante Betreuungsgeld. Ich stimme Ihnen gerne zu, was die große Bedeutung der Bildungspolitik anbelangt – wenn aber das Betreuungsgeld gegen Bildung ausgespielt wird, frage ich mich, welches Bild Sie von den Eltern in unserem Lande haben!

Mir geht es nicht darum, Ausbau und Qualitätsverbesserungen bei Kindertageseinrichtungen in Frage zu stellen. Das Betreuungsgeld ist kein Gegenmodell, sondern das notwendige Gegenstück zum Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz! Das sind zwei Puzzlestücke, die ineinander greifen! Wir stellen mit dem Betreuungsgeld sicher, dass die Betreuung zuhause nicht zurückgesetzt wird.

''De nihilo nihil'' schreiben Sie - ''aus nichts wird nichts.'' Da muss ich Ihnen recht geben - soweit Sie mit Ihrem lateinischen Sinnspruch die Eltern meinen! Denn ohne die Eltern geht tatsächlich nichts, Vater und Mutter sind nicht zu ersetzen und nicht austauschbar. Deswegen ist das Betreuungsgeld auch für die Eltern gedacht! Von der Sorge, wie gewährleistet ist, dass das Geld bei den Kindern ankommt, kann ich jeden befreien: Muss es gar nicht. Kleinkinder unter drei erzieht man nicht mit Geld, sondern mit elterlicher Zeit und Zuwendung.

Ich weiß im Übrigen um die Probleme der Familien und der Kinder in unserem Lande. Ich weiß, dass Familien zerbrechlich sein können, ich weiß, dass es Familien gibt, die überfordert sind und ich weiß um die Probleme der Migrantenfamilien. Belastete Familien brauchen aber Hilfe und nicht gesellschaftliche Ächtung! Diffamierungen à la Buschkowsky helfen nicht weiter – ich finde diese Aussagen skandalös, tendenziell ausländerfeindlich und in hohem Maße arrogant. Egal, ob arm oder reich, egal, welche Sprache sie sprechen: Für alle Ein- bis Zweijährigen sind die Eltern unersetzbar wichtig.

Viele Signale und Botschaften, die heute bei den Familien ankommen, sind Signale des Argwohns. Ich empfinde es als extrem kinderfeindlich, zu vertreten, dass Eltern sich möglichst nicht selber um ihre Kleinkinder kümmern sollten. Das ist an Absurdität nicht zu überbieten. Als nächstes wird vorgeschlagen werden, dass alle Kinder von Maschinen ausgetragen werden, weil zu viele Mütter in der Schwangerschaft rauchen! Ich will die Familien- und Bildungspolitik der Republik nicht an der selektiven Wahrnehmung eines Herrn Buschkowsky ausrichten und eine Minderheit zum Maßstab der Politik machen.

Wenn elterliche Verantwortung, Wertevermittlung, Zuwendung und Liebe nicht mehr gefragt, verlangt und wertgeschätzt werden, müssen wir uns nicht wundern, wenn diese Tugenden aussterben. Ich frage mich im Übrigen, ob Herr Buschkowsky auch die vom Bundesverfassungsgericht bereits angedeutete Notwendigkeit der Anhebung der Regelsätze für die Kinder von Hartz- IV-Empfängern als bildungspolitische Katastrophe bewerten wird!

Mit freundlichen Grüßen,

Christine Haderthauer

— Christine Haderthauer (CSU) ist Bayerns Familienministerin.

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