Leserbriefe : Wie sollen Lehrer höhere Qualität abliefern?

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Betrifft: „Lehrer müssen mehr und besser arbeiten“ vom 15. August 2003

Wenn eines im Interview mit Herrn Böger deutlich wird, so ist es die Schlichtheit seiner Argumentation. Auf die Frage, ob denn die Lehrer bisher schlecht gearbeitet haben, antwortet er zwar eindeutig mit Nein, fügt dann aber gleich hinzu, dass die PisaStudie uns ein mittelmäßiges Bildungssystem bescheinigt habe. Wurden also die im Grunde guten Lehrer durch das Bildungssystem bisher daran gehindert, ihre Qualitäten voll zur Geltung zu bringen? Und wenn ja, woran mag das wohl liegen? Doch nicht etwa an Versäumnissen unserer Politiker? Keine Antwort. Ebenso wenig erhält der Leser Auskunft darüber, wie Lehrer, die unter laufend schlechteren Bedingungen mehr arbeiten und weniger Geld dafür bekommen, höhere Qualität abliefern sollen.

Ganz abgesehen davon, dass die Pisa-Studie heutzutage für alles herhalten muss, was bei uns im Bildungsbereich nicht so richtig klappt, bleibt es unerfindlich, warum der Schulsenator dem Finanzsenator nicht klar machen kann, dass Verbesserungen an der pädagogischen Front nicht zum Nulltarif zu haben sind. Sind nicht in einem solchen Falle zumindest Weiterbildungsmaßnahmen unerlässlich, oder sollen sich die Lehrer einfach einen (kostenlosen) Ruck geben?

Ganz schlimm wird es, wenn den Lehrern vorgerechnet wird, wie gut sie es getroffen haben, denn es hätte ja alles noch schlimmer kommen können. Da brummt man ihnen – so mir nichts, dir nichts – drei Präsenztage zu je acht Stunden in den Ferien auf und brüstet sich dann damit, dass man ihnen zwei davon wieder erlässt. Kaum zu fassen.

Beim angestrebten Abitur nach Abschluss der 12. Klasse gibt der Schulsenator immerhin zu, dass seine Politik doch etwas verwirrend ist. Erst dreizehn, dann zwölfeinhalb und jetzt gar zwölf Jahre. Wie das zu schaffen ist, sagt er lieber nicht. Doch was schimpfe ich auf Herrn Böger? Solange die Bildungspolitik vom Rotstift diktiert wird, ist offensichtlich der Schulsenator machtlos.

Klaus Pegler, Berlin-Frohnau

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