Leserbriefe : Wieder trifft es nur die Geringverdiener

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Betrifft: „Gesundheitsreform kommt im Herbst“ vom 25. Juni 2003

Nun kommt sie also, die Gesundheitsreform, und sowohl der Entwurf von RotGrün als auch das Konzept der CDU/CSU sehen nicht so aus, als seien sie von Politikern ersonnen, die noch großen Wert auf die Bezeichnung sozial legen. Private Absicherung des Krankengeldes, steigende Selbstbeteiligung bei Arzneimitteln und erhöhte Zuzahlung für Krankenhausaufenthalte (bei der Union bis zu zehn Prozent der Kosten) werden natürlich mehr die niedrigeren Lohngruppen treffen, und diejenigen, die wenig verdienen, werden in Zukunft vielleicht auch noch am Zahnersatz sparen. Es ist daher naiv, wie in Ihrem Kommentar zu sagen: „Niemand will eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, in der sich Arm und Reich beim Blick auf den Mund unterscheiden lassen." Denn genau diese Gefahr ist bei mehr Selbstbeteiligung gegeben.

Zum Teil erscheinen die Planungen kontraproduktiv, so kann man davon ausgehen, dass die 15 Euro Praxisgebühr bei Aufsuchen eines Facharztes nicht unbedingt Kosten sparend sein werden. In meinem Fall werde ich als Allergiker in Zukunft erst den Hausarzt aufsuchen, um mich dann zu meiner Allergologin überweisen zu lassen, was mich Zeit und die Krankenkasse Geld kosten wird.

Aber wir haben bestimmt noch mehr zu erhoffen, wie die geradezu geniale Begründung für den Wegfall des Sterbegeldes zeigt: Schließlich habe Sterben nichts mit Gesundheit zu tun. Krankheit auch nicht, könnte man folgen, und da wird es klarer, warum das Gesundheitsministerium sich nicht für solche Dinge wie Krankengeld einsetzen will.

Christoph Lecke, Berlin-Steglitz

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