Leserbriefe : Wir brauchen eine Kultur-Flatrate

„Leistung nur gegen Geld“

von Joachim Huber vom 10. Juni

Natürlich müssen kulturelle Leistungen entlohnt werden, ein Gratisinternet im engeren Sinne kann es nicht geben. Doch muss auch hinterfragt werden, wie die Preise für die Nutzung einer derartigen Leistung zustande kommen und inwiefern dabei den Interessen des Nutzers und der Gesellschaft entsprochen wird.

Wer darf z. B. die „digitale Dividende“, um diesen Begriff auf den Bereich „Urheberrecht und Digitalisierung“ zu übertragen, des E-Books an sich reißen? Die Verlage mit dem Argument, das E-Book könne aufgrund der hohen Transformationskosten, die aber nur einmal anfallen, nicht günstiger verkauft werden als das gedruckte Buch, obwohl diverse Stufen der Wertschöpfungskette wegfallen könnten? Wenn ich meine Musik bei I-Tunes kaufe, wer übernimmt dann die Gewinnanteile von Groß- und Einzelhandel? Warum sollte ich für den halben Preis einer DVD lediglich das Recht erhalten, einen Film herunterzuladen und binnen 24 Stunden anzusehen, obwohl ich die DVD so oft und wann immer ich will, ansehen kann, um die Frage nach den Rechten des Konsumenten in der schönen neuen Internet-Urheberrecht-Welt aufzuwerfen. Es geht im Kern nicht nur darum, ob eine Leistung im digitalen Bereich entlohnt wird, sondern auch um die Frage, wie der Nutzen der Digitalisierung zwischen Produzenten und Konsumenten verteilt wird. Dass dieser einzig an die Produzenten geht, kann keine befriedigende Lösung sein.

Daneben steht neben vielen anderen Aspekten die Frage nach dem angemessenen Preis. Hier von einem Markt zu sprechen, verbietet sich aufgrund des Urheberrechtes, das nun einmal dazu dient, nicht vergleichbare Produkte, bzw. die Nutzungsrechte dieser Produkte zu monopolisieren. Bei der Frage nach der Nutzung dieser Güter stellt sich also auch die Frage, ob das Urheberrecht dazu genutzt werden soll, diese Monopole (die von den Oligopolen der jeweiligen Verwertungsindustrie zusätzlich gestützt werden) zu stärken. Im Allgemeinen lösen Monopole den Reflex aus, sie abschaffen oder regulieren zu wollen . Für mich führt dieser Weg über kurz oder lang zur „Kultur-Flat“, also einer pauschalen Abgeltung kultureller Leistungen. Sie wird ihrem Wesen nach dem Gedanken einer Entlohnung an sich, die aber die Gefahr von Monopolgewinnen bannen muss, am ehesten gerecht. Es mag kein Recht auf ein Gratisinternet geben, ein Recht auf Milliardengewinne (die ja noch nicht einmal bei den Künstlern, sondern größtenteils bei den „Verwertern“ ihrer Kreativität anfallen) gibt es genauso wenig.

Björn Lemke, Berlin-Wilmersdorf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben