Leserbriefe : Wir Deutschen haben kein Recht, uns wegzudrehen

-

„Israel will den Südlibanon besetzen“

vom 4. August 2006

Sind ein rundes Dutzend militärischer Auslandseinsätze der Bundeswehr nicht genug? Abgesehen von den jährlichen Milliardenbelastungen für den maroden Bundeshaushalt und die hohen Risiken für unsere Soldaten – was könnten unsere Truppen in den Pufferzonen an Israels Grenzen tatsächlich erreichen? Die über den gesamten Libanon verteilten Hisbollah-Nester entwaffnen? Kein Militärexperte hält das für möglich. Katjuscha-Raketen fliegen seit Jahren immer wieder über die Köpfe ohnmächtiger UN-Blauhelme hinweg auf jüdische Städte und Dörfer. Oder würden die EU-Einheiten mit deutscher Beteiligung Israel von Gegenschlägen abhalten? Verheerende Luftangriffe wie in diesen Tagen vermag auch eine 20 000 Mann starke Bodentruppe der EU nicht zu verhindern. Bliebe also nur der „symbolische Wert“ einer internationalen Friedensmission. Sie müsste sich, wenn es ernst wird, auf die frustrierende Zuschauerrolle beschränken, welche die UN-Soldaten seit Jahrzehnten in der Krisenregion spielen. Die blauen Pappkameraden verursachen immense Kosten, ohne auch nur die geringste friedensstiftende Wirkung zu entfalten. Im schlimmsten Fall geraten sie zwischen die Fronten oder werden zum Ziel versehentlich geworfener Bomben. Trotzdem drängen unsere Politiker jetzt täglich quer durch die großen Parteien auf die Entsendung deutscher Soldaten. Warum? Aus einem (seltsam pubertär anmutenden) neudeutschen Geltungsbedürfnis, das immer globaler wird? Aus Schuldgefühlen gegenüber Israel, die sich auch 61 Jahre nach Kriegsende unwidersprochen mobilisieren lassen?

Beides taugt nicht als Grundlage militärischer Einmischung der Bundeswehr. Was dem nahöstlichen Brandherd fehlt, ist eine nachhaltige politische Lösung. Sie muss einen unabhängigen Palästinenserstaat ebenso zum Ziel haben wie allseitige Garantien für das Existenzrecht Israels. Diplomatische Bemühungen der Bundesrepublik könnten hilfreich sein, sofern man die Bush-Doktrin verlässt und auch mit den sogenannten Schurkenstaaten Syrien und Iran ernsthafte Gespräche beginnt. Darüber sollte man in Berlin nachdenken, ehe man der heute schon überforderten Bundeswehr einen weiteren Auslandseinsatz zumuten will.

Herbert Rauter, Karlsruhe

Die Vereinten Nationen sind ein zahnloser Tiger. Sie haben noch nie einen Krieg verhindern und noch nie einen Frieden sichern können.

Herbert Gaiser, München

„Ein Rätsel und keine Spur“

vom 1. August 2006

Die Israelischen Verteidigungskräfte (IDF) sind verpflichtet, ihre Operationen in voller Übereinstimmung mit dem Recht für den bewaffneten Konflikt durchzuführen, die im IDF-Handbuch für den bewaffneten Konflikt definiert sind. Darin ist festgelegt, dass militärische Operationen nur gegen militärische Ziele gerichtet sein dürfen. Zusätzlich verlangt das Handbuch, dass eine Operation nicht ausgeführt werden darf, wenn das Risiko überwiegt, dass versehentlich Zivilisten verletzt werden könnten.

Angesichts von Behauptungen in der Presse, Israel verwende illegale Waffen, muss darauf hingewiesen werden, dass Israel die UN-Konvention über konventionelle Waffen strikt beachtet. Es werden unter allen Umständen große Anstrengungen unternommen, um sicherzustellen, dass militärische Operationen so ausgeführt werden, dass Schaden an Zivilisten und ihrem Eigentum minimiert werden.

Die Hisbollah hat den Konflikt begonnen und ist damit für das Leiden vieler Zivilisten verantwortlich zu machen.

Schade, dass weder die Rechtmäßigkeit des Dauerbeschusses israelischer Städte mit Raketen, die Metallkugeln enthalten, um die Zahl der Toten und Verletzten zu maximieren noch der Missbrauch der libanesischen Bevölkerung durch die Hisbollah in dem Artikel hinterfragt werden.

Amit Gilad, Pressesprecher

Botschaft des Staates Israel in Berlin

„Der Tod kommt aus der Garage“

vom 1. August 2006

Wenn bei einer kriegerischen Auseinandersetzung Zivilpersonen der einen Partei mit Kriegswaffen aus dem Hinterhalt die andere Partei attackieren, sind diese Zivilisten Partisanen und genießen nicht den Schutz internationalen Kriegsrechts. Ich glaube nicht, dass sich die Dorfbewohner des südlichen Libanon dieser Tragweite ihres Handelns überhaupt bewusst sind. Die Israelis sind jedenfalls absolut berechtigt, mit Bomben und Granaten zu reagieren! Sie sollten aber vielleicht mit entsprechenden Flugblättern die Bevölkerung über diesen Rechtszustand unterrichten, sofern sie es nicht schon getan haben. Und im Übrigen ist das Verhalten der Hisbollah, sogar Kinder hemmungslos den Kriegsgefahren auszusetzen, verbrecherisch und widerspricht ihrem eigenen muslimischen Glauben!

Werner Brauckhoff,

Berlin-Lichterfelde.

Kinder und Zivilisten als Schutzschilde der Raketen abschießenden Hisbollah. Die Gutmenschen der westlichen Welt klagen nicht die Hisbollah, sondern Israel für sein Tun an. Bisher konnte man noch keine islamische Stimme hören, die die Machenschaften und die Menschenverachtung der Hisbollah anklagt. Wir Deutschen haben uns durch unser Schweigen, Weggucken und sogar heimliche Freude alle am Holocaust mitschuldig gemacht. Ebenso macht sich jetzt die gesamte islamische Welt an der Menschenverachtung ihrer Extremisten mitschuldig.

Dr. Helmut Hirschmann,

Berlin-Zehlendorf

„Grenzen des Albtraums“

vom 23. Juli 2006

Ich habe selten einen so einseitigen Beitrag eines ihrer Mitarbeiter gelesen, wie diesen Artikel. Das Leid der Araber zählt für den Autor nicht. Tausende Araber sind auf der Flucht, hunderte Menschen, insbesondere Kinder und Frauen, sind von Israelis getötet worden. Nichts davon in diesem Beitrag. Die Ursachen des Konflikts liegen nur bedingt im Iran bzw. Syrien. Hauptgrund des Konfliktes ist doch wohl, dass Israel den Palästinensern kein Existenzrecht gewährt, sondern den Menschen im Gazastreifen und in der Westbank jegliche Zukunftschancen verbaut. Kein Wunder, dass der Hass dort ständig gegen Israel wächst, das unsinnige Koalitionen mit dem Iran und Syrien eingegangen werden.

Wir Deutschen haben nicht das Recht, uns vom Leid der Araber wegzudrehen. Alle Menschen haben ein Recht zum Leben.

Jörg Lindner, Berlin-Zehlendorf

Sie schilderten das Elend der libanesischen Bevölkerung. Doch wie geht es dem jungen Israeli? Es sollte doch gelegentlich Erwähnung finden, dass seine Entführung der Auslöser des Krieges war. Auch wäre es angemessen, in gleicher Ausdehnung über das Leben in Nordisrael zu berichten.

Hildegard Schroer, Berlin-Biesdorf

0 Kommentare

Neuester Kommentar