Leserbriefe : Wir leben nicht im Konjunktiv

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Drohungen gegen den Karikaturisten

des Tagesspiegels

Was erwarten Sie – außer entsprechende Reaktionen. Was müssen Sie sich beweisen? Und: Wie können Sie denn derart unsensibel sein und in die weit offene Wunde eine ganze Ladung Salz streuen. Und dann noch meinen, eine volle Seite für die Rechtfertigung dessen drucken zu müssen. Ich denke, das zeigt Ihr schlechtes Gewissen vor dem Hintergrund, dass die halbe Welt nun auf entsprechende Veröffentlichungen lauert. Weniger – oder besser gar nichts – wäre hier mehr gewesen.

Christian Treske, Berlin-Marienfelde

Ich komme nun in ein Alter, in dem ich mich täglich frage, ob ich verrückt werde oder diese Welt. Und nur damit ich es richtig verstehe, habe ich ein paar Fragen: Wenn der Tagesspiegel eine Zeichnung veröffentlicht und der Zeichner mit dem Tode bedroht wird, entschuldigt er sich dann in Zukunft immer? Könnte nicht der Tagesspiegel sich grundsätzlich entschuldigen? Wäre es nicht im Sinne des, vom Tagesspiegel zitierten, Ausgleiches, wenn der Tagesspiegel vor der Veröffentlichung den betroffenen Stellen vorgelegt wird? Würde es nicht vielleicht ungeheuer Arbeit und Papier sparen, wenn der Tagesspiegel im Vorfeld schon solche Irritationen vermeidet und gleich auf solch provokante Veröffentlichungen verzichtet? Wäre es nicht viel sicherer, wenn der Tagesspiegel in Zukunft einfach überhaupt nicht gedruckt wird?

PS: Wir leben nicht im Konjunktiv.

Hanno Zwicker, Berlin-Tempelhof

Ich bin selber ein Perser der nicht auf sein Land sondern nur auf seine „Leute“ stolz ist. Sie als eine große Zeitung müssen gut wissen, dass wir immer gekämpft haben, allen zu zeigen, es geht uns nicht an, was unser Land macht. Deswegen ist für uns Perser sehr schlimm, wenn wir denken, dass die Welt über uns genauso denkt wie bei seinem Land. Haben Sie einmal, nur ein einziges Mal gesehen oder gehört dass irgendein Perser bzw. Perserin einen Terroranschlag gemacht oder geplant hat? Es ist immer „Iranische Regime hat …“. Wir brauchen eure Glauben als Unterstützung, wenn Sie das auch verlieren, könnte es wirklich kein Freundschaft geben. Fußballspieler sind die Botschaften von Persern nicht iranische Regime. Wenn das Regime ein gewisse Gruppe unterstützt hat, hat das mit den Leuten selbst überhaupt nicht zu tun. „Ein Scherz“ kommt immer von was Wahres!

Ali Tabatabaei (Adresse d. Redaktion bekannt)

Hier ein Vorschlag: Legen Sie jeder Karikatur diesen Fragebogen bei:

Ich fühle mich durch diese Karikatur in folgendem Zusammenhang beleidigt/verletzt/verunglimpft

( ) Ehre

( ) Religion

( ) Geschlecht

( ) allgemein

( ) nur so

( ) bin sowieso immer beleidigt wenn einer was zu mir sagt

( ) bin sauer, weil mir selber nicht so lustige Karrikaturen einfallen

Annette-Kristin Kalina, Köln

Karikaturen müssen sein: Weil sie politische Ereignisse auf den Punkt bringen, weil sie aktuelle Ereignisse sogar besser abbilden können, als dies bei langen Leitartikeln der Fall ist. Wenn jetzt aus den jüngsten Ereignissen der Schluss gezogen würde, ein Karikaturist/in oder Redakteur/in einer Zeitung müsste seine/ihre Zeichnungen oder Beiträge 1. seinem Chef, 2. den Gesellschaftern seiner Zeitung, 3. der Bundesregierung, 4. sämtlichen Vertretern der diversen religiösen Gemeinschaften und 5. sonstwem vorlegen und absegnen lassen, dann gute Nacht!

Die Karikaturen in der dänischen Zeitung fand ich in dieser Form unnötig, und kann verstehen, dass diese viele Menschen als beleidigend empfanden. Nicht zu verstehen ist aber, das dänische Botschaften anfangen zu brennen, die dänischen Kollegen von euch Polizeischutz brauchen und Herr Stuttmann Todesdrohungen bekommt. Einen Gruß an Herr Stuttmann, mit der Bitte, sich nicht einschüchtern zu lassen und weiter das zu zeichnen, was ihm wichtig ist. Die Forderung an euch, dass ihr als „unabhängige“ Tageszeitung nicht dem „Mainstream“ unterliegt. Ach so, hab heute zum ersten Mal in meinem Leben dänische Butter gekauft …

Christian Böttcher,

Berlin-Wilmersdorf

Wenn Sie sich für diese iranische Karikatur entschuldigen, fasse ich Ihre Zeitung nie wieder an. Man darf sich nicht vor Fanatikern beugen, die unsere Zivilisation vernichten wollen.

Tomasz Kulbacki, Falkensee

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