Leserbriefe : Wir wollen uns nicht mehr gruseln

Zur Einstellung von Radio Multikulti

Es ist für mich schwer zu verstehen, wie ein Radiosender mit einer kaum messbaren Hörerzahl so vielen Leuten ans Herz gewachsen sein kann. Das Medium Radio sollte nicht ausschließlich Politikum sein. Seit fast 15 Jahren haben wir in Berlin kein mehrheitsfähiges, junges Charts-Hit-Radio im öffentlich-rechtlichen Angebot, das mit ausgewogener Berichterstattung die private Konkurrenz auf die Plätze verweist. Mit einem solchem Programm könnte man tatsächlich integrative Arbeit leisten und zwar nicht für Intellektuelle, die jetzt so lauthals protestieren, sondern für die Bevölkerungsteile, die tendenziell das Erlernen integrativer Offenheit nötiger haben.

Carsten Raabe, Berlin-Charlottenburg

850 000 Menschen säumten an Pfingsten den Zug des Karnevals der Kulturen in Berlin. Die Stadt ist dynamisch, an vielen Stellen kreativ, international und zunehmend hybrid, was die Herkünfte anbelangt. Dies ist auch das Bild der Stadt nach außen. Oft wird man beispielsweise an meinem jetzigen Arbeitsort Kassel auf das doch so viel glänzendere Berlin angesprochen. Doch spiegelt der von auswärts wahrnehmbare Schein die Realität? Berlin hat die sehr sichtbaren vielfältigen Seiten (andererseits bei 3,5 Mio. Einwohnern plus Brandenburg auch kein Wunder), es gibt aber auch höchst provinzielle Strukturen, wie sie vielerorts in der „Provinz“ nicht mehr aufzufinden sind. Die Entscheidung des RBB, Radio Multikulti einzustellen, macht ein Schaufenster auf, durch das man die Provinzialität des RBB und der Berlin-Brandenburger politischen Szene wie in einem Gruselkabinett „bewundern“ kann. Schade!

Prof. Dr. Bernd Overwien, Kassel

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