Leserbriefe : Wird der Hauptbahnhof irgendwann problemlos erreichbar sein?

Parkhaus verzweifelt gesucht – Neue Schilder sollen Autofahrern den Weg weisen – sind aber unvollständig“ von Klaus Kurpjuweit vom 15. Dezember

Wie bekannt, steht der Berliner Hauptbahnhof in einer städtebaulichen Wüste, er ist allseitig von riesigen Leerflächen umgeben. Wie viele andere Berliner wollte ich am Tag vor Weihnachten meine achtzigjährige Schwiegermutter vom Hauptbahnhof abholen, die zwar noch rüstig, aber schlecht zu Fuß ist und ihr Gepäck nicht selber tragen kann. Solche Besuche von älteren Verwandten werden viele Berliner zu Weihnachten gehabt haben. Es gab am Hauptbahnhof natürlich keinen oberirdischen Parkplatz; das Kellerparkhaus, das es dort hinter der Autobahn geben soll, ist schlecht ausgeschildert und kaum zu finden. Also parkte ich meinen Wagen hinter anderen Fahrzeugen auf einer weiter entfernten Brücke, und zwar so, dass er weder den fließenden Verkehr, noch die Fussgänger, die es dort ohnehin nicht gab, hätte behindern können. Als wir nach etwa vierzehn Minuten zurückkamen, hatte ich einen Strafzettel am Auto. Ich stellte fest, dass an diesem Nachmittag vor Heiligabend mehrere Politessen ausgeschwärmt waren, die in Bahnhofsumgebung flächendeckend Strafzettel verteilten: reiche Beute für den Finanzsenator. Es ist ein Skandal, dass Berlin sich nicht nur den benutzerunfreundlichsten Großbahnhof Mitteleuropas leistet (daran ist die Bahndirektion schuld), sondern diesen auch noch mit großen Leerflächen umgibt, ohne diese wenigstens für kurzzeitiges Parken freizugeben (daran ist die Stadtregierung schuld). Man muß wohl argwöhnen, dass wir es hier nicht mit Fahrlässigkeit oder stadtplanerischem Unvermögen zu tun haben, sondern dass dahinter der Plan einer "gezielten Abzocke" (wie der Volksmund sagt) stehen dürfte. Die Frage ist, wie lange die Bürger sich das gefallen lassen wollen.

Prof. Dr. Diethart Kerbs, Berlin-Charlottenburg

Sehr geehrter Herr Professor Kerbs,

das Thema „Parken in der Innenstadt“ bewegt – wie Ihr Brief zeigt – viele Berliner Autofahrer und Autofahrerinnen. Noch bis vor kurzem war es in Berlin üblich, auch in der City auf dem öffentlichen Straßenland einfach das Auto abzustellen. Selbst die Erhebung von Parkgebühren wird in Berlin teilweise immer noch als unpassend empfunden. Eine zeitgemäße Verkehrs- und Stadtentwicklungspolitik muss jedoch darauf achten, dass nicht das Auto im Mittelpunkt des planerischen Interesses steht. Große Parkflächen in der Innenstadt sind weder zeitgemäß noch steigern sie die Attraktivität eines Ortes. Deshalb ist der neue Hauptbahnhof von vornherein so geplant worden, dass er gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist und dass Autos unterirdisch, im Parkhaus, abgestellt werden können.

Der Hauptbahnhof ist ein moderner Innenstadtbahnhof, der inmitten eines sich entwickelnden Stadtquartiers liegt. Gewiss gibt es um ihn herum noch große unbebaute Flächen, die Autofahrern als Parkplätze geeignet erscheinen mögen. Es ist aber so, dass für etliche der künftigen Bauflächen bereits konkrete Baupläne vorliegen. Niemand möchte den Bahnhof oder neue, attraktive Immobilien in derart prominenter Lage nahe Bundestag und Bundeskanzleramt mit Autostellplätzen umgeben. Professor Kerbs, um in Ihrem Bild zu bleiben: Die „städtebauliche Wüste“ wird bald beginnen zu blühen. Parkende Autos gehören in dem sich jetzt entwickelnden modernen Quartier unter die Erde. Wer parken möchte, findet im Parkhaus nicht weniger als 850 Stellplätze mit allem Komfort.

Da die Zufahrt von Norden unterhalb der Bahntrasse liegt, stehen für Ortsunkundige auch vor den eigentlichen Wegweisern zum Parkhaus zusätzlich große Hinweisschilder mit der Information „Parken am Hauptbahnhof, Parken nur im Parkhaus, 15 Minuten frei“. Die Zufahrt von Süden befindet sich im Tiergartentunnel und ist ebenfalls ausgeschildert. Auf meine Veranlassung hin sind Ende letzten Jahres noch diese zusätzlichen Hinweisschilder aufgestellt wurden. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass komplexe neue Verkehrssituationen anfangs gewöhnungsbedürftig sind.

Es ist natürlich persönlich sehr ärgerlich, dass Sie ein „Knöllchen“ für Falschparken erhalten haben, obwohl die gleiche Parkdauer im Parkhaus kostenfrei gewesen wäre. Ich begrüße aber ausdrücklich die regelmäßige Überwachung und Kontrolle durch das Ordnungsamt und die Polizei. Gerade an derart verkehrsintensiven Orten ist regelmäßige Kontrolle erforderlich, um den notwendigen Verkehrsfluss und das geregelte Miteinander aller Verkehrsteilnehmer sicherzustellen.

Mit freundlichen Grüßen

— Ingeborg Junge-Reyer (SPD),

Senatorin für Stadtentwicklung

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