Leserbriefe : Wird die Fußball-WM für die Berliner Wirtschaft ein Erfolg?

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„WM ist für Berliner Hotels kein Renner“, „Jetzt muss kräftig gewirbelt werden“ und

„Berliner Notsignal“ vom 5. Mai 2006

Herzlichen Dank für die umfassende Berichterstattung zur Problematik der der Fifa zugesicherten Hotelzimmerkontingente. Letztlich zeigt das doch nur, dass die Fifa entweder kein Interesse daran hat, die WM auch für die ausrichtenden Städte zu einem finanziellen Erfolg werden zu lassen, oder aber sie ist nicht das, was sie gerne vorgibt zu sein: ein professionell durchorganisierter Weltverband, der mit der Ausrichtung solcher Großveranstaltungen viel Erfahrung hat.

Darunter leiden muss nun scheinbar die gebeutelte Berliner Wirtschaft, vor allem die kleinen Unternehmen. Es ist ja zu vermuten, dass es nicht nur beim Minus der Hotels wegen der Kontingentreservierung durch die Fifa notgedrungen abgesagten Kongresse und Tagungen für die Zeit der WM bleibt. Gerade die vielen kleinen Unternehmen in beispielsweise Gastronomie und Hotelgewerbe, die aus der Kaufkraft der Berlin-Besucher den Großteil ihres Umsatzes generieren, werden nun im sonst so umsatzträchtigen Sommer deutliche Einbußen hinnehmen müssen.

Die Hoffnung des Präsidenten des Hotel- und Gaststättenverbandes, dass „Gäste ohne WM-Verbindungen und mit dicken Brieftaschen“ nun spontan nach Berlin kommen werden, wird sich wohl eher nicht erfüllen. Gerade wer keine Verbindung zur Fußball-WM hat, wird es sich spontan verkneifen, das in dieser Zeit mit Fußballfans überfüllte Berlin zu besuchen. Die Spiele kann man sich, wenn man eh keine Karte fürs Stadion hat, besser am heimischen Fernseher anschauen. Erst die Absage der WM-Eröffnungsgala und nun das Debakel mit den Hotelzimmern. Da kann sich Berlin bei Herrn Blatter wirklich bedanken.

Günter John, Berlin-Britz

Sehr geehrter Herr John,

nicht immer läuft alles wie geplant, nicht einmal bei einem durchorganisierten Weltverband wie der Fifa. Die sehr plötzliche Absage der Eröffnungsgala hat auch mich geärgert – vor allem wegen der Enttäuschung für die vielen freiwilligen Helfer. Die Freigabe der reservierten Hotelzimmer muss man meiner Meinung nach aber etwas differenzierter betrachten.

Die Berliner Hotels haben die Reservierung zu einem bestimmten Preis mit der Fifa vereinbart, weil sie sich nicht zuletzt vom Weltfußballverband und über dessen Buchungssystem zusätzliche Gäste erhofften. Die Fifa hat ihrerseits die Zimmerkontingente blockiert, weil sie vermeiden wollte, dass die Preise explodieren, wie man das andernorts bei Olympiaden und anderen Großereignissen schon erlebt hat. Das war ein durchaus sinnvoller Plan. Nur ist er eben nicht aufgegangen, denn Fußballfans sind offenbar spontaner als andere Touristen – zumal sie ja bis auf die Vorrunde noch gar nicht wissen, wo ihre Mannschaften spielen werden.

Deshalb ließ die Zahl der Vorbestellungen zu wünschen übrig. Die Zimmer wurden wieder freigegeben, und den Hoteliers geht es jetzt ein bisschen so wie einem Regenschirmverkäufer, wenn zwischendurch unvermutet die Sonne wieder herauskommt. Aber noch ist nicht aller Tage Abend, und die Chancen, dass die Hotelzimmer kurzfristig auf dem freien Markt noch Abnehmerinnen und Abnehmer finden, sind gar nicht so schlecht.

Aber ein Debakel würde ich die Sache dennoch nicht nennen, und zwar aus drei Gründen: Erstens hält der Tourismusboom auch ohne Fußball unvermindert an. Berlin hat pro Jahr alleine so viele Besucher wie ganz Japan – mehr als sechs Millionen.

Zweitens wird Berlins Tourismuswirtschaft trotz allem enorm profitieren von der Fußball-WM, weil die Fernsehbilder aus der Stadt um die Welt gehen und im kommenden Jahr noch mehr Touristen kommen werden.

Drittens hat Berlin viel Platz und die Berlinerinnen und Berliner haben ein großes Herz auch für die Nicht-Fußballfans. Schon eine Woche nach der WM finden zum Beispiel wieder die Modemessen in Berlin statt, dann folgen Love Parade und Marathon, und so weiter.

Sie sehen: Der Fußball ist zwar rund, aber eben doch nicht die ganze Welt. Und die Fifa wird Berlin nicht retten. Das müssen wir schon selbst tun.

Mit freundlichen Grüßen

— Harald Wolf (Linkspartei/PDS), Senator

für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, Berlin

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