Leserbriefe : Wo Polen sich verloren fühlen

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„Verstimmung prägt das Verhältnis“

vom 29. August 2006

Ich verfolge sehr genau, was in der letzten Zeit zum Thema Polen in der deutschen Presse und zum Thema Deutschland in der polnischen Presse erscheint. Jetzt kann ich mir sehr gut vorstellen, wie man mit diesen Themen auf beiden Seiten „Propaganda“ betreiben kann, also die rücksichts- und verständnislosen Deutschen aus der polnischen Sicht und die überempfindlichen Polen aus der deutschen Sicht. Die deutsche Seite geht so weit, dass sie sich echte Sorgen um die Menschenrechte in Polen macht. Hätten sich die deutschen Politiker diese Sorgen auch gemacht, wenn Polen Deutschland mit Gas und Öl beliefern würde? Eher nicht, wie das Beispiel Russland zeigt. Die deutsche Presse scheut sich nicht, die legitime polnische Regierung oder die Brüder Kaczynski als „nationalistisch“ und „populistisch“ zu bezeichnen, wenn man über Polen berichtet. Andererseits wird die deutsche Politik in Bezug auf das Nachbarland in Polen zu oft nur auf Erika Steinbach und den Bund der Vertriebenen beschränkt.

Ich habe mir die Ausstellung in Berlin angeschaut und sie nicht als objektiv empfunden. Es ist wahrscheinlich meine polnische Sicht der Dinge. Es ärgert mich einfach, wenn sich die Deutschen den Polen als Hitler-Opfer gleichgestellt fühlen und diesen Eindruck vermittelt – sehr vereinfacht ausgedrückt – diese Ausstellung. Es fehlen hier zum Beispiel die Bilder von jubelnden Deutschen beim Einmarsch der deutschen Truppen in die Tschechoslowakei 1938. Ich war fast zu Tränen gerührt, als ich las, wie die Deutschen sich geschämt haben, als sie erfahren haben, dass sie die Bauernhöfe der vertriebenen Polen übernehmen sollten. Es mag im Einzelfall stimmen. Das ist das Problem dieser Ausstellung, es wird nicht gelogen, aber es wird auch nicht die ganze Wahrheit erzählt.

Karolina Zawadzka, Szczecin, Polen

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