Leserbriefe : Wohlfeile Forderungen

„Kinder ohne Bindung“

von Marion Mück-Raab vom 27. Oktober

Wie war das noch mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lukas, Kapitel 10, Verse 30–37)? Da befindet sich ein Mensch in einer angsterfüllten, existenziell bedrohlichen Notlage. Intelligente und ethisch wohlerzogene Menschen kommen an ihm vorbei – sehen und erkennen sein Unglück – und gehen weiter. Sie verweigern ihre Hilfe – aus formal-religiösen, mit anderen Worten: aus ethischen Gründen. Haben die Brüder und Schwestern im Ethikrat, die diese Geschichte doch sicherlich alle kennen, nichts daraus gelernt?

Da gibt es immer wieder Frauen in höchster Not. Es geht um ein Kind, dass sie nicht wollten, dass nun aber immerhin noch geboren werden soll. Diese Frauen wissen nicht wohin mit sich und dem Kind, haben Angst vor der Zukunft. Sie haben niemanden, dem sie sich anvertrauen können – und so erscheinen ihnen eine anonyme Geburt oder die Babyklappe als einziger Ausweg – sofern sie noch erkennen können, dass das heimliche Beseitigen des Kindes die schlechteste aller Lösungen ist. Familienhelfer? Gut und schön und völlig richtig! Aber davon müsste es Hunderte, wenn nicht Tausende geben. Wer stellt die Familienhelfer ein, wer bezahlt sie? Etwa der Ethikrat? Nein, der Ethikrat erhebt wohlfeile Forderungen und verweigert die Unterstützung den Stellen, die jetzt helfen, weil es eben auch Menschen gibt, denen es zweitrangig ist, ob das, was sie an Hilfe anbieten können, auch formal-juristisch durch die Gesetzeslage (die ohnehin der gesellschaftlichen Entwicklung immer hinterherhinkt!) abgedeckt ist.

Weil es eben auch Menschen gibt, die das tun, was ihnen ihr Herz, ihr Gewissen und nicht zuletzt auch der Verstand gebietet! Weil es Menschen gibt, die aus der Geschichte gelernt haben!

Hans-Joachim Müller,

Berlin-Nikolassee

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